Kinderbuchautor in Afrika : Was Geschichten lustig macht

Äthiopien? Da wollte er nie hin. Auch Inspirationen für seine Kinderbücher versprach sich Andreas Steinhöfel von der Reise nicht – und wurde dann zwischen Lehmhütten doch überrascht.

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Ab in die Wüste. Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel, 51, besuchte eine Kleinstadt an der somalischen Grenze. Foto: Michela Morosini
Ab in die Wüste. Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel, 51, besuchte eine Kleinstadt an der somalischen Grenze. Foto: Michela...

Als Deutschland gerade streitet, ob rassistische Ausdrücke wie „Negerkönig“ oder „Negerlein“ in alten deutschen Kinderbüchern zu streichen sind, fährt ein deutscher Kinderbuchautor nach Afrika. Nach Schwarzafrika, Äthiopien. Was er dort zu erfahren hofft, ist ihm in diesem Moment selbst nicht ganz klar. Er will über die Reise bloggen.

Sein Flugzeug landet frühmorgens in der Hauptstadt Addis Abeba, in der am schnellsten wachsenden Stadt Afrikas, vor 120 Jahren gab es hier nur ein paar Hütten. Andreas Steinhöfel, der Kinderbuchautor, durchquert müde die Ankunftshalle des Bole International Airport, die modern und voller Europäer ist. Noch merkt er kaum, dass er in Afrika ist. Vor der Tür bieten ein paar Taxifahrer auf Pappkartons stumm ihre Dienste an, da merkt er es schon ein bisschen stärker. Die Sonne ist gerade aufgegangen, die Luft kühl, Steinhöfel hat seine Jacke an und fröstelt. Addis Abeba liegt auf über 2000 Metern, erst mittags wird es heiß.

Wenig später spuckt ein gelbes Taxi mit kaputten Türen den Kinderbuchautor an einer großen lauten Straße aus, einen großen weißen Mann mit Halbglatze, grauem Haar in Blue-Jeans, grauem T-Shirt und schwarzen Turnschuhen. Er steht vor einem Gasthaus der Kinderhilfsorganisation SOS. Sie hat Steinhöfel nach Äthiopien eingeladen und die Reise organisiert, er wird Kinderdörfer besuchen und Hilfsprojekte. Auch die Gastgeber wollen, dass er über seine Reise bloggt.

Es ist das erste Mal, dass er in Afrika ist, und überhaupt das erste Mal seit Jahren, dass er eine große Reise unternimmt. Wenn er nicht auf Lesereisen ist und durch deutsche Schulen zieht, verbringt er die meiste Zeit in seinem Haus am Waldrand nahe einer mittelhessischen Kleinstadt. Als er die Einladung zu dieser Reise erhielt, war Andreas Steinhöfels Antwort: „Vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage! Ich fahre sehr gern überall in Afrika hin, bloß auf gar keinen Fall nach Äthiopien.“

Bei Äthiopien dachte er an Kinder mit aufgeblähten Bäuchen, an unerträgliche Armut.

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