Kindercomic : Der doppelte Kästner

Isabel Kreitz adaptiert „Das doppelte Lottchen“ als Comic-Buch.

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Isabel Kreitz hat sich bei ihrem Comic am Stil von Kästners Illustrator Walter Trier orientiert.
Isabel Kreitz hat sich bei ihrem Comic am Stil von Kästners Illustrator Walter Trier orientiert.Abbildung: Isabel Kreitz

Warme, freundlich wirkende Pastellfarben und elegant fließende Linien, mit denen die Mimik und die Körpersprache ihrer Figuren differenziert vermittelt wird – Isabel Kreitz setzt in ihrer Adaption von Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ ein weiteres Mal auf ihren etablierten Zeichenstil, mit dem sie bereits drei Kästner-Klassiker als Comic adaptiert hat. Dafür verbindet die vielfach ausgezeichnete Hamburger Zeichnerin Elemente der „Ligne Claire“ des Tim-und-Struppi-Erfinders Hergé mit Anleihen bei Walter Trier, der einst die Titelbilder für Kästners Kinderbücher zeichnete.

Inhaltlich hält sich Kreitz eng an den 1949 erstmals veröffentlichten Roman, der von den Mädchen Luise und Lotte handelt, die einander im Ferienheim kennenlernen. Sie sehen einander frappierend ähnlich und entdecken noch manch andere Gemeinsamkeit. Nach und nach kommen sie einem irritierenden Familiengeheimnis auf die Spur – und machen sich mutig daran, die Dinge zu ändern.

Die bunten Bildfolgen leben vom Wechselspiel der Kästner’schen Dialoge mit wortlosen Szenen, in denen die Künstlerin die zwischen kindlichem Abenteuerspiel und ernstem Familiendrama schwankende Handlung atmosphärisch dicht und zeichnerisch auf höchstem Niveau vermittelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Comicadaptionen von Literaturklassikern stellt Kreitz keine expliziten Bezüge zur Gegenwart her, sondern evoziert in ihren Bildern die Entstehungszeit des Buches. Das gibt dem Ganzen einen altmodischen Charme, der etwas aus der Zeit gefallen wirkt. Zugleich wird bei der Lektüre deutlich, dass die in den 1940er Jahren bemerkenswert moderne Botschaft – zwei Mädchen finden sich nicht damit ab, was die Erwachsenen für sie entschieden haben, sondern nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand – auch heute noch ihre Gültigkeit hat. Lars von Törne

Erich Kästner, Isabel Kreitz: Das doppelte Lottchen. Comic. Dressler Verlag, Hamburg 2016. 112 Seiten, 18,99 Euro. Ab neun Jahren.

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