Kinderfilm "Quatsch und die Nasenbär-Bande" : Wenn Rotznasen die Welt retten

In Veit Helmers hinreißendem Kinderfilm "Quatsch und die Nasenbär-Bande" nehmen Kinder den Kampf gegen das Imperium auf.

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Die „Nasenbär-Bande“ sind Rieke, Max, Lene, Paul, Suse und Ben.
Die „Nasenbär-Bande“ sind Rieke, Max, Lene, Paul, Suse und Ben.Foto: dpa

Normal ist nicht super. Das weiß jeder Autofahrer. Normal ist superlangweilig. Als Bollersdorf wegen seiner unüberbietbaren Normalität zum „durchschnittlichsten Ort Deutschlands“ gewählt wird, sind die Dorfkinder zunächst begeistert. „Hurra, wir sind der Bauchnabel der Welt!“, jubeln sie. Doch dann fallen die Mitarbeiter der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in den Flecken ein, futuristische Männer in Silberanzügen und mit Silberhaar, die an die „grauen Herren“ aus Michael Endes Roman „Momo“ erinnern.

Ihnen geht es nur um Effizienz, und bald beobachten sie das Konsumverhalten der Einwohner nicht bloß, sondern beginnen, es auch zu manipulieren. Deshalb kommen grüne Cornflakes auf den Tisch, „Bluetella“ aufs Brötchen und „Jakopf Hot Shot“ in die Kaffeetasse, und während die Eltern die neuen Produkte ganz großartig finden, sagen ihre Kinder, was sie wirklich sind: ungenießbar.

Ein Nasenbär namens Quatsch

„Quatsch und die Nasenbär-Bande“ heißt der wunderbare Kinderfilm von Veit Helmer, in dem die anarchische Widerborstigkeit der Kinder nicht gleich die Welt, aber ein Dorf rettet. Die „Nasenbär-Bande“ sind Rieke, Max, Lene, Paul, Suse und Ben, vier- und fünfjährige Rotznasen, die mit ihren Tramphosen und Struwwelhaaren einem Buch von Astrid Lindgren entsprungen sein könnten. Sie verbünden sich mit ihren Großeltern, die wegen zu viel Neugier und Fantasie ins Altenheim abgeschoben werden, und nehmen den Kampf gegen das Imperium auf. Zusammen mit „Quatsch“, ihrem Nasenbären, der Bücher klauen, Metallteile verschweißen und einen hochhaushohen Kran bedienen kann.

In einer hinreißenden Choreografie tanzen die GFK-Robotermänner mit Cheerleadern zu Discomusik unter Discoscheinwerfern durch den Dorfsupermarkt und singen: „Stellt euch mal vor / bei uns kommt der Geschmack aus dem Labor.“ Am Ende klatschen die Kinder den Synthetikfraß mal eben an die Wände. „Quatsch“ folgt nicht immer einer stringenten Logik, ist aber schon wegen seiner liebevollen Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle sehenswert. Rolf Zacher spielt einen steppenden, swingenden Weltrekordanerkenner, Benno Fürmann einen begriffsstutzigen Tierfänger mit Tropenhelm. Veit Helmers vierjähriger Sohn hatte gefordert, dass in dem Film „ein Feuerwehrauto, ein Traktor, ein Kran, ein Müllauto, ein Betonmischer und eine Lokomotive“ vorkommen müssen. So mündet „Quatsch“ in einem großen Verfolgungs-Finale – mit Slapstick wie aus der Stummfilmära.

In 14 Berliner Kinos

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