Kultur : KINDHEIT

Nicola Kuhn

Ein Raunen und Rumoren geht durch diese Biennale, ein Stöhnen und Stürzen. Allenthalben tun sich Abgründe auf, werden Obsessionen preisgegeben. Ihren Quell haben sie in verschütteten Erinnerungen, Kindheitserlebnissen. Freud lässt grüßen. Daher ist es auch kein Zufall, dass so viele Beiträge aus der Kinderperspektive berichten. Sie lässt die persönliche Fallhöhe, die tragische Dimension umso deutlicher hervortreten. Vergeblich versucht die junge Polin Aneta Grzeszykowska ihre Biografie umzuschreiben, indem sie sich Bild für Bild aus ihrem Familienalbum eliminiert und allzu offensichtlich Leerstellen hinterlässt. Harmlos und heiter erscheinen die vermeintlichen Kinderfilme der schwedischen Videokünstlerin Nathalie Djurberg, in denen bunte Knetgummifiguren die Hauptrolle spielen, nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten handeln sie umso grotesker von häuslicher Gewalt, Erniedrigung, brutaler Sexualität.

Das Land hinter dem Regenbogen bleibt ein Traum. Auch die Schulkinder in dem Video „Summer Lightings“ des russischen Filmemachers Victor Alimpiev können es nicht mit ihren Fingern herbeitrommeln. Im Ohr bleibt das bedrohliche Klackern auf ihren Klassenpulten.

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