Kultur : Kindheitszwänge

Cristina Moles Kaupp

Zum 13. Geburtstag gab es noch eine dieser Sahnetorten mit blauen Rosen drauf. Wenige Tage später ist Nina verschwunden, ein Nachbar sah sie trampend an der Straße. Helle Aufregung. Hat Mutter Lillian etwas falsch gemacht? Nein, sie lenkt ihr Heim gottesfürchtig und liebevoll, einen Vater gibt es nicht. Was also ist mit dem Mädchen los? So erzählt Lillian von Ninas Leben in ihrem Häuschen in Richmond (Virgina) und stellt dabei mit größter Selbstverständlichkeit die zahlreichen Freunde und Verwandten vor.

Derweil stapft Nina durch herbstliche Wälder. Sie hat ein Ziel, wir kennen es nicht. Manchmal spaziert sie in fremde Häuser, isst etwas, nickt ein und blickt immer noch finster. Einmal schläft sie in einem Laubhaufen, dann ist sie endlich angekommen und blickt von einem Berggipfel in die Landschaft. Als Nina vier Tage später wieder zurückkehrt, will sie unbedingt ein Auto. Etwa um sich schneller jene Distanz zu schaffen, um die es bei ihrem kleinen Ausbruch ging? Keine Antwort. Wir ahnen nur, was in Ninas Schmollkopf vorgeht, die nun für ihr Traumauto jeden Job annimmt. Doch es macht Spaß, sich mit ihrer Welt zu beschäftigen.

"Thirteen" ist David Williams zweiter Film, der erneut das Leben seiner Nachbarn mit Fiktion verknüpft. Sie spielen sich selbst, ohne Drehbuch. Williams beweist Gespür für den langsamen Lauf der Dinge, Verständnis für die Eigenheiten seiner Charaktere. Bis auch Nina begreift, was es heißt, 13 zu sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben