Kultur : King Kongs Küsse

Daniel Völzke

Zwar reist sie viel und malt statt früher zwanzig heute nur noch drei Bilder im Jahr. Und doch konnte man die Arbeiten der 1940 in Berlin geborenen Malerin Christa Dichgans immer mal wieder sehen. Nie war sie ganz fort – und ist doch weit genug weg, um sie wiederzuentdecken. Contemporary Fine Arts widmet ihr nun die Retrospektive „King Kong Kisses“ (bis 23. September, Sophienstraße 21) . Wie frisch wirken die knalligen Spielzeug-Stillleben aus den sechziger Jahren, als Jeff Koons, der spätere Meister der Krabbelgruppenkunst, selbst noch ein Kind war. Als anrührende „Schicksalsgemeinschaft“ stapeln sich augenlose Teddys in die Höhe und krümmt sich eine Gummirobbe neben einem Kampfflieger. Später malt Dichgans klassizistische Skulpturen, die unter Würsten begraben sind. Dann streut sie Dinge und Gesichter flächig auf die Leinwand und füllt Länderumrisse. Manchmal sieht es aus, als wäre einer ihrer Spielzeughaufen einfach zu einem Farbinferno explodiert. Immer der figurativen Malerei verpflichtet, verändert sich Dichgans’ Werk mit ihren Reisen und Begegnungen: von Pop- zu Folk-Art, von fotorealistisch über kubistisch zu informell. Und am Ende trifft sie mit ihrer sturen Wandlungsfähigkeit den Geschmack der Stunde (Preise zwischen 5500 und 25 000 Euro).

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Der Ehemann von Christa Dichgans, der Galerist Rudolf Springer, überredete 1954 den jungen Hallenser Maler Hermann Bachmann , sein Glück in West-Berlin zu versuchen. Bilder Bachmanns waren von den Nazis konfisziert worden, weitere Gängelungen wie durch den Formalismusstreit in der frühen DDR entging der 1922 geborene Künstler mit seiner Übersiedelung. In Berlin entfaltete er ein reiches Werk, wurde als Professor der Hochschule der Künste eine feste Größe im Kunstbetrieb und bleibt es nach seinem Tod 1995. Die Galerie am Gendarmenmarkt zeigt einen Querschnitt seiner Malerei und kombiniert sie mit Skulpturen der Ehefrau Gisela Bachmann (bis 24. September, Taubenstraße 20). Die bestimmenden Farben sind Grau und Schwarz. Die wenigen leuchtenden Töne scheinen die Figuren regelrecht zu verbrennen. In den meisten Bildern herrscht eine enorme Dynamik zwischen Abstraktion und Figuration, Linien und Flächen, Balance und Ungleichgewicht. Sie senden verstörende Signale aus der Vergangenheit der Mauerstadt Berlin (zwischen 1800 und 8000 Euro).

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