Kultur : Kino Babylon: Schließung und Neustart

Jan Schulz-Ojala

Die Tage des Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz als ausschließlich kommunales Kino sind offenbar endgültig gezählt. Einer Mitteilung des Betreibervereins Berliner Filmkunsthaus Babylon zufolge will der Verein die seit Jahresbeginn laufende Übergangsbespielung nicht fortsetzen. Somit wird das Kino ab 1. März zumindest einstweilig geschlossen sein.

Letzten Ausschlag für diese Entscheidung gab offenbar am Donnerstag ein Gespräch mit der Senatskulturverwaltung, die die jährliche, an die kommunale Kinoarbeit gebundene Fördersumme von 320000 Euro vergibt. Dem Vernehmen nach hatte die Findungskommission den seit 1990 tätigen Babylon-Verein, der sich an einem Anfang Dezember von der Verwaltung ausgeschriebenen Interessenbekundungsverfahren beteiligt hatte, zwar erneut als künftigen Betreiber empfohlen – als jenen Kandidaten, der den Betrieb eines rein kommunalen Kinos am ehesten garantieren könne. Doch war dies offenkundig ein Votum mit Einschränkungen.

Denn vor allem in den letzten Jahren hatte sich erwiesen, dass das große, auch im Unterhalt teure Haus mit den vorhandenen Fördermitteln als kommunales Kino allein nicht zu bespielen ist. Dauernde finanzielle Notlagen hatten die Babylon- Krise Ende vergangenen Jahres offen ausbrechen lassen. Damals hatte der Verein monatelang keine Miete mehr gezahlt und das Geld stattdessen in Programm und Gehälter gesteckt. Wie der Kulturverwaltungssprecher gestern gegenüber dem Tagesspiegel ergänzte, habe der Verein auch im Blick auf das künftige Programmkonzept sein wirtschaftliches Glaubwürdigkeitsproblem nicht definitiv ausräumen können.

Wie geht es nun weiter mit dem Babylon? Noch im März will die Kulturverwaltung einen neuen Betreiber benennen, der dann möglichst schnell das Haus wieder eröffnen soll. Dabei gehe es nicht um Kommerzialisierung, sondern um ein cineastisch weiterhin hochwertiges Programm, das dem Förderauftrag entspreche. Im Dezember hatten sich 13 Bewerber an dem Interessenbekundungsverfahren beteiligt. Unter einer kleinen Gruppe dieser Bewerber soll nun ein Kern-Trio aus der ursprünglichen Findungskommission die Entscheidung fällen: Vertreten sind die Medienboard Berlin-Brandenburg, die Senatskanzlei und die Kulturverwaltung selbst. Durchaus denkbar, dass ein bekannter Name aus dem Berliner Programmkinobereich den Zuschlag erhält; seine Kompetenz in Sachen Kommunales Kino, die die gezielte und in Sachen Babylon künftig publikumsträchtigere Pflege der Filmgeschichte einschließt, wird er erst noch unter Beweis stellen müssen.

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