Kino-CITY Lights : Lächelt, ihr Nächte!

Silvia Hallensleben empfiehlt Werke jüngst verstorbener Meister.

Silvia Hallensleben

Michelangelo Antonioni und Ingmar Bergman, Ulrich Mühe und Michel Serrault: Gleich vier bedeutende Mitgestalter des europäischen Kinos sind dieser Tage gestorben, und nun sind nach den Nachrufautoren und den TV-Programmredakteuren die Kinos selber mit ihren Ehrungen an der Reihe. In fast unheimlicher Voraussicht überpünktlich war nur das Central am Hackeschen Markt, das seit dem 26. Juli (und weiterhin) Antonionis Blow Up (1966) spielt; am Dienstag gibt es eine Extravorstellung im Freiluftkino Schwarzenberg nebenan.

Anders als Antonioni schien Ingmar Bergman im Kino fast vergessen – mit Ausnahme einer Retro 2004 im Arsenal, das am Mittwoch die frühe Komödie Das Lächeln einer Sommernacht (1955, in OmU) aufführt. Fünf Bergman-Filme stehen im Babylon-Mitte auf dem Programm: Das siebente Siegel (1956) am Dienstag, Wilde Erdbeeren (1957) heute, Szenen einer Ehe (1973) am Sonnabend, Das Schlangenei (1976) am Freitag und Fanny und Alexander (1982) am Sonntag – alle in der deutschen Fassung.

Auch Ulrich Mühe, der in Hermann Zschoches Hälfte des Lebens (DDR 1985) die ganze Woche im Acud zu sehen ist, wird im Babylon mit täglich wechselnden Filmen geehrt. Feuerreiter (1998) in der Regie von Nina Grosse mit Ulrich Matthes am Montag, Sehnsucht (DDR 1989, Regie: Jürgen Brauer) am Freitag, und als später DDR-Nachschlag sonntags noch Frank Beyers Nikolaikirche (1995).

Dass Mühe auch fernab der Defa brillierte, lässt sich an seinen drei Michael- Haneke-Filmen studieren: Benny's Video (1992) am Dienstag, Das Schloss (1996) Donnerstag und Montag und Funny Games (Österreich 1997) an der Seite seiner Ehefrau Susanne Lothar am Sonntag, alle ebenfalls im Babylon-Mitte. Hinzu kommt Das Leben der Anderen: Der Film läuft noch regulär in acht Berliner Kinos. Nur der französische Mime Michel Serrault wird nirgends geehrt. Ob wenigstens das Cinema Paris sich der trauernden Verehrer(innen) erbarmt?

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