Kino : Gottfried John - ein Eigenwilliger wird 65

Der in Berlin geborene Schauspieler Gottfried John, international bekannt durch die Rolle des russischen Generals Ourumov im James-Bond-Thriller "Goldeneye", feiert seinen 65. Geburtstag. Den Fassbinder-Darsteller zeichnet ein eigenwilliger Lebensweg aus.

Peter Claus[dpa]
Gottfried John Foto: dpa
Gottfried John: Einer, der eiskalt, gebrochen und auch zärtlich wirken kann. -Foto: dpa

Berlin Als Gottfried John, hoch aufgeschossen, mit knorrig schiefer Nase und weichem Zug um die Lippen, 1972 in Rainer Werner Fassbinders ARD-Fünfteiler "Acht Stunden sind kein Tag" auftrat, war ein Star geboren. Seit seiner mit der Kraft der Zärtlichkeit auftrumpfenden Interpretation des Arbeiters Jochen in dem TV-Klassiker gehört der 1942 geborene Berliner, der am 29. August 65 Jahre alt wird, zu den prägnantesten und originellsten Schauspielern deutscher Sprache.

Über viele Rollen im In- und Ausland arbeitete er sich zu Weltruhm vor. Der kam endgültig 1995 mit der vielschichtigen Gestaltung des Bösewichts im James-Bond-Thriller "Goldeneye". John sagte dazu: "Ich habe mich bemüht, Aufstieg und Fall der Sowjetunion in einer Person zu spielen, mit allen menschlichen Schwächen." Gottfried John gehört zu den denkenden Schauspielern, die den von ihnen verkörperten Charakteren durch Gestaltung des psychologischen und des sozialen Umfelds Wahrhaftigkeit geben.

Kehrt kaum etwas nach außen

Mit Selbstauskünften ist der in der Öffentlichkeit stets bescheiden und zuvorkommend auftretende Schauspieler zurückhaltend. Mit seiner langjährigen Ehefrau Barbara lebt er seit Jahren überwiegend zurückgezogen in Belgien. Über sich selbst sagte er einmal: "Ich spiele natürlich gerne die sehr selbstsicheren, starken Typen. Ich würde jedoch eher von mir behaupten, das Gegenteil zu sein."

Lebensweg und Karrieregang Gottfried Johns erscheinen wie ein Drei-Groschen-Roman. Geboren als Sohn einer lebenshungrigen und eigenwilligen Mutter, verbringt er einen Großteil seiner Kindheit und Jugend als oft gehänselter Stotterer im Nachkriegs-West-Berlin in Fürsorgeheimen. Minderjährig flüchtet er zu der vergeblich vom Ruhm als Künstlerin träumenden Mutter nach Paris. Der Halbwüchsige schlägt sich als Straßenmaler und Bauarbeiter durch. 1962 kehrt er mit der Mutter zurück nach West-Berlin. Dort besteht er die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule nicht. Er nimmt privaten Unterricht. Da wendet sich das Blatt: Noch während der Ausbildung gibt er sein Bühnendebüt am Berliner Schiller-Theater. Bekannt wird Gottfried John zunächst als "eine Mischung aus Jean- Paul Belmondo, Sammy Davis Jr. und Anthony Quinn". Regisseur Hans Neuenfels verhilft ihm Mitte der 1960er Jahre zu ersten Theatererfolgen, Rainer Werner Fassbinder formt John zum Kino-Star. Spielfilme wie "Die Ehe der Maria Braun" (1978), "Lili Marleen" (1981) und "Berlin Alexanderplatz" (1980) bescheren dem Schauspieler große Popularität.

Schriftstellerisches Talent

In den Folgejahren arbeitet er vor allem für das Fernsehen, beispielsweise 1990 im Dreiteiler "Drehort Pfarrhaus" und 1995 im Krimi "Brüder auf Leben und Tod". Als ernster Charakterdarsteller überrascht Gottfried John 1998 mit der komischen Rolle des Caesar in der Comic-Adaption "Asterix und Obelix gegen Caesar". Ein Kritiker schwärmt, Gottfried John sei "der einzige Darsteller, der Uderzos Zeichensprache in seine Körpersprache übersetzt. Der Zeigefinger, der die Ausreden der Untergebenen durchsticht, die Ferse, auf welcher der Feldherr kehrtmacht, um einen taktischen Rückzug anzutreten (...), alles fügt sich zu einer grandiosen Bewegungsstudie."

Inzwischen hat Gottfried John eine zweite Karriere als Romanautor begonnen. In seinem von der Kritik gefeierten Erstling "Bekenntnisse eines Unerzogenen" (2001) reflektiert er anhand des eigenen Lebens deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte. Sein ebenso lesenswerter zweiter Roman, "Das fünfte Wort" (2003), betrachtet philosophische Fragen aus überraschendem Blickwinkel. Zu seinem persönlichen Lebensmotto befragt, befindet John: "Ich jage dem Glück nicht hinterher, sondern versuche immer, das Leben so anzunehmen, wie es ist."

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