Kino : Hollywood wird von Deutschen gemacht

Goodbye Deutschland - Immer mehr deutsche Regisseure versuchen ihr Glück in Hollywood und sind erfolgreich. Doch auf die nächsten Dietrichs, Knefs und Brandauers ist noch zu warten.

Berlin - Deutschsprachige Regisseure wie Ernst Lubitsch, Billy Wilder und Wim Wenders haben es vorgemacht: Sie gingen in die USA und wagten in Hollywood ihr Glück. Etabliert haben sich dort auch Roland Emmerich ("Independence Day") und Wolfgang Petersen ("Troja"). Mit der wachsenden internationalen Anerkennung für den deutschen Film ist es in den vergangenen Jahren zudem einer neuen Filmemacher-Generation gelungen, das Interesse der US-Studiobosse zu wecken.

"In Amerika tun sich für mich große Chancen auf"

Jüngster Fall ist Florian Henckel von Donnersmarck, der für sein Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewann. Schon vorher stapelten sich bei ihm amerikanische Drehbücher, nach dem Oscar häufen sich die Angebote der US-Studios. Da dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Donnersmarck das passende Projekt für den Einstand in Hollywood findet. Ende März sagte der 33-Jährige dem Magazin "Focus": "In Amerika tun sich für mich große Chancen auf. Wenn ich diese Chancen jetzt nutze, ist das kein Verlassen des Landes."

Bereits nach Los Angeles umgezogen ist der 1968 in Stuttgart geborene Drehbuchautor und Regisseur Robert Schwentke, der auch in New York ein Filmstudium absolvierte. 2002 realisierte er mit Christian Redl und August Diehl den Krimi "Tattoo", der ihm nach einem Testscreening in Hollywood die Chance einbrachte, den Thriller "Flight Plan - Ohne jede Spur" mit Jodie Foster zu drehen. Dessen Kassenerfolg in den USA bescherte ihm wiederum neue Aufträge.

Auch der deutsch-türkische Regisseur Mennan Yapo ("Lautlos") konnte mit einem Star der ersten Garde drehen: Sandra Bullock spielt in seinem Thriller "Die Vorahnung" eine Hausfrau, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Mann bei einem Autounfall ums Leben kommt. Am nächsten Tag sieht sie ihn aber am Küchentisch sitzen. "Die Vorahnung" läuft am 20. September in den deutschen Kinos an.

Der 32-jährige Christian Alvert machte mit den Thrillern "Curiosity & the Cat" und "Antikörper" auf sich aufmerksam. Der Lohn: Mit Renée Zellweger drehte er kürzlich seine erste Hollywoodproduktion, den Gruselthriller "Case 39".

Deutsche Regisseure machen sogar Musikvideos

Ende März ist auch der zweite Kinofilm des gebürtigen Ostberliners Martin Weisz, der Horrorstreifen "The Hills Have Eyes 2", in den deutschen Kinos angelaufen. Der 40-jährige Filmemacher lebt seit elf Jahren in den USA und drehte mehr als 350 Musikvideos. 2006 gab er mit dem Film "Rohtenburg" über einen spektakulären deutschen Kannibalismusfall sein Kinodebüt.

Mit jungen US-Schauspielern und der Hilfe von Wim Wenders inszenierte der 1972 geborene Holger Ernst in den USA das Coming-of-Age-Drama "The House is Burning", das im Vorjahr den Sprung in die offizielle Auswahl des Filmfestivals von Cannes schaffte.

Schon mit 20 Jahren ging der heute 43-jährige Marcus Nispel aus Frankfurt am Main in die USA, wo er seitdem mehr als 1000 Werbespots und viele Musikvideos realisierte. Vor vier Jahren wagte er sich unter dem Titel "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre" an ein Remake des Horrorfilm-Klassikers "Blutgericht in Texas". Vor einigen Wochen startete in Deutschland sein zweiter Kinofilm, das Wikingerdrama "Pathfinder" mit Ralph Möller.

Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") ist derweil mit seinem ersten US-Filmprojekt der Durchbruch noch nicht gelungen. Hirschbiegel drehte 2005 mit Nicole Kidman und dem neuen "James Bond"-Darsteller Daniel Craig den Science-Fiction-Thriller "The Invasion", ein Remake des Don-Siegel-Klassikers "Die Dämonischen", das aber immer noch nicht angelaufen ist.

Aufällig ist, dass nur deutsche Regisseure in Hollywood gefragt sind. So müssen Franka Potente, Till Schweiger, Thomas Kretschmann und Co auf Verstärkung warten. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar