Kultur : Kino: Mummy mia!

Sassan Niasseri

Er ist einfach nicht totzukriegen, dieser Imhotep: Der ägyptische Hohepriester ist zum zweiten Mal aus der Verdammnis auferstanden. Er will seine frühere Geliebte, die Pharaonentochter Anuk-es-enamon, wieder zum Leben erwecken. Damit sollte es eigentlich gut sein mit der "Mumie" und ihrer unglücklichen Liebe, deren Erfüllung ihr im ersten Teil des okkulten Tüll-Klamauks noch vergönnt war.

Doch in "Die Mumie kehrt zurück" steht das Schicksal der Welt auf dem Spiel - ein magischer Armreif ist ausgegraben worden, der eine Art Schlüssel ist zum Tempel des unbarmherzigen Skorpionkönigs (Wrestling-Star The Rock). Unglücklicherweise zurrt sich der Armreif bei den Ausgrabungen am Handgelenk des kleinen Alex fest. Der Hohepriester und seine alte Freundin kidnappen den wertvollen Jungen, und das ruft natürlich dessen Eltern, das Archäologen-Ehepaar Rick und Evelyn (Brendan Fraser und Rachel Weisz), auf den Plan.

Viele Mumien werden bei der Verfolgungsjagd durch Ägypten Federn, ähem, Mullbinden lassen. Eine Screwball-Comedy, gestreckt mit Action im Zehn-Minuten-Takt und augenzwinkernden Dialogen - das musste ja einschlagen: "Die Mumie kehrt zurück" spielte in den USA bereits am Startwochenende 70 Millionen Dollar ein. Ein Erfolg, der natürlich auch die Profilneurose der Universal-Studios bediente : Die "Mumie" ist mit dem Prädikat "Erfolgreichster Film aller Zeiten, der nicht in den Schulferien angelaufen ist", und damit wohl auch mit dem unsinnigsten Superlativ aller Zeiten ausgezeichnet worden.

Schulkinder, wie gut, dass keine Ferien gewesen sind - von dieser Mumie hättet ihr euch nur Unsinn abgeguckt. Die Handlung des Films ist, wie auch schon beim Vorgänger, eine einzige Rahmenhandlung. Und die spielt nur dem nächsten Cliffhanger zu, dem nächsten Kidnapping oder dem nächsten Befreiungsversuch samt Explosion.

Viel aufregender als der Film selbst ist das Suchen nach den Zuschauer- und Marktsegmenten, die das Event-Movie abgrasen will. Um nur einige zu nennen: Der farbige Pharaonenkrieger, der sich bei Gefahr ein "Yo" oder ein "Mutha" partout nicht verkneifen kann, wäre so ein Wink an die Zielgruppe. Oder die Action-Telespiele der neueren Generation, die dank ihres Produktionsaufwands inzwischen selbst kleine Kinogeschichten erzählen.

Bei ihnen finden sich in der "Mumie" viele Anleihen: Die Szene, in der ägyptische Terroristen in das altenglische Schloss von Fraser und Weisz einbrechen und dadurch auf eindrucksvolle Art deren Heimvorteil zu spüren bekommen, ist auch eine Hommage an die berühmteste Episode aus dem "Tomb Raider"-Spiel und dessen Heldin Lara Croft. Der Film über ihre Abenteuer kommt übrigens auch bald ins Kino. Vielleicht müssen die Mumien sich dann wirklich warm anziehen.

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