Kino : Symbole zum Auftakt

Stars und Symbole, Vergangenheit und Modernität, Ost und West: Das 60. Filmfestival von Cannes hat den Bogen zum Auftakt gleich denkbar weit gespannt. 22 Filme konkurrieren in diesem Jahr um die Goldene Palme.

Cannes - Der Eröffnungsfilm wob ein symbolisches Band zwischen Asien und dem Westen. Generationen umspannend war die große Gala zum Start des Geburtstagsfestivals angelegt: Der 98 Jahre alte Regisseur Manoel de Oliveira aus Portugal hat noch in der Stummfilmzeit seine ersten Filme gedreht. Nun eröffnete er gemeinsam mit der bezaubernd jungen Schauspielerin Shu-Qi aus Hongkong das größte Filmfest der Welt. Als Zeremonienmeisterin führte die in Frankreich lebende deutsche Schauspielerin Diane Krüger ("Troja") durch die glamouröse Gala.

Der Rote Teppich war am Tag vor der Eröffnung noch nicht verklebt, da hatten schon die ersten Fans mit Trittleiter und Thermoskanne vor der legendären Treppe zum Festivalpalais die besten Plätze bezogen. Sie hofften, zumindest einen kurzen Blick auf die Jazz-Sängerin Norah Jones und den britischen Hollywood-Star Jude Law zu erhaschen - oder auf den türkischen Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk als Mitglied der Wettbewerbsjury. Pamuk gestand vor der Presse, schon seit früher Jugend ein Faible für Cannes gehabt zu haben. Damals habe er "ein Schwarzweiß-Foto von einer halbnackten Frau gesehen und gedacht: Da muss ich hin."

Norah Jones in ihrem Kinodebut

Norah Jones in ihrer ersten Kinorolle und Jude Law sind die Stars des Eröffnungsfilms "My Blueberry Nights" von Wong Kar-Wai. Es ist das erste Werk, das der renommierte Chinese mit Kultstatus ("In The Mood for Love") in den USA gedreht hat. In ruhigen, von intensiven Farben durchtränkten Bildern erzählt Wong von einer Liebe, die sich erst auf Distanz entwickeln kann. Jones spielt etwas unsicher und zurückhaltend eine junge Frau mit gebrochenem Herzen, die ihren Kummer durch Gespräche mit einem Kneipenwirt (Law) in New York und mit dessen Blaubeerkuchen zu lindern versucht. Dann bricht sie auf, lässt sich quer durch die USA bis nach Los Angeles treiben, begegnet anderen Unglücklichen und wird auf dem Weg reif für eine neue Liebe - für den Wirt, der mit seinem Kuchen auf sie gewartet hat.

Wong Kar-Wais Bilder sind ein wahrer Augenschmaus, doch seine Geschichte ist ziemlich vorhersehbar. In Erinnerung bleibt vor allem ein Kuss, und der, so erzählten die Beteiligten in einer Pressekonferenz, sei gar nicht so einfach gewesen. "Wir haben viele Versuche und eine lange Zeit dafür gebraucht", sagte Norah Jones, die auch gestand, den Blaubeerkuchen, den sie in vielen Szenen essen musste, absolut nicht gemocht zu haben.

Produktionen mit großen und kleinen Budgets

Mit einem winzigen Bruchteil des "Blueberry"-Budgets musste der rumänische Regisseur Cristian Mungiu auskommen. Dennoch brachte er mit "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" die erste Überraschung in den Wettbewerb. Im extrem realistischen und fein beobachtenden Stil der Brüder Dardenne, die in Cannes schon zwei Goldene Palmen gewonnen haben, erzählt er eine Geschichte aus seiner Heimat gegen Ende des Kommunismus. Eine Studentin ist ungewollt schwanger, Abtreibung aber streng verboten. Die junge Frau und ihre beste Freundin suchen in einem schäbigen Hotelzimmer die Hilfe eines illegalen "Engelmachers". Mungiu beschränkt sich auf diesen einen Tag der Abtreibung und erzeugt eine Atmosphäre von extremem Stress und Verzweiflung, die unter die Haut geht.

Eher kalt hat der amerikanische Film "Zodiac" das Publikum gelassen. David Fincher, der mit dem Thriller "Seven" 1995 einen Klassiker des Genres gedreht hat, wollte "nicht schon wieder einen Serienkiller-Film" machen, sagte er der Presse. So spielt "Zodiac", dessen Drehbuch auf einem bis heute ungelösten Fall in Kalifornien basiert, nur zu Beginn mit Klischees von Morden und Fahndung. Dann findet er sein eigentliches Thema: Die zerstörerischen Auswirkungen der besessenen Suche nach dem Täter auf die Ermittler und einen Zeitungsillustratoren (Jake Gyllenhaal), der einfach nicht locker lassen kann.

Noch zehn Tage dauert das Geburtstagsfestival

Bis zum Pfingstsonntag (27. Mai) läuft das Geburtstagsfestival, dann vergibt die Jury die Goldene Palme an einen der 22 Filme Im Wettbewerb - oder auch nicht: "Vielleicht bin ich zu eifersüchtig und es gibt gar keinen Preis", scherzte der britische Regisseur Stephen Frears ("Die Queen") als Jury-Präsident vor der Eröffnung. Schließlich habe er noch nie etwas in Cannes gewonnen. (tso/dpa)

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