"1 ½ Ritter" : Gags im Gänsemarsch

Halbe Sache: Til Schweigers "1 ½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde". Besonders lustig sind, trotz unermüdlichster Anstrengung, diese Ritter nicht geraten.

Jan Schulz-Ojala
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Auf sie mit Gebrüll. Til Schweiger kämpft als Ritter Lanze. - Foto: Warner Bros.

Es ist ja richtig: Filmpräsentationen vor Kritikern, die Til Schweiger meidet wie der liebe Gott den Höllensud, sind eine gar nicht genug zu kritisierende Einrichtung. Statt nach Feierabend finden sie meist in der Schlechte-Laune-Kernzeit notorischer Spätaufsteher statt, und statt zünftiges Beck’s zum Popcorn gibt’s meist nur einen Pappbecher Kaffee. Im großen Kinosaal verlieren sich zwei Dutzend Vormittagsmuffel, und selbst wenn die tollste neue Komödie läuft, lacht wahrscheinlich wieder kein Schwein. Na, oder grad eines.

Schlimmer noch als Pressevorführungen können allerdings Publikumspreviews sein. Da läuft am Abend vorm Filmstart schon mal Til Schweigers „1 ½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“, und gerade mal 50 Leute verlieren sich zur Primetime im größten Saal des Multiplex. Da entfaltet sich auf der Leinwand gemächlich Sketch auf Sketch, da folgt Gag auf Gag im Gänsemarsch, doch mehr als laues Glucksen ist aus diesem doch so erwartungsfroh erschienenen Publikum nicht herauszuholen. Sind etwa, so fragt sich verdutzt der neugierige Vertreter jener Zunft, der Til Schweiger lieber keine eigene Vorführung gönnt, selbst die gewogensten Zuschauer noch kritischer als unsereins?

Tatsächlich, besonders lustig sind, trotz unermüdlichster Anstrengung, diese „1 ½ Ritter“ nicht geraten. Leider auch nicht besonders charmant, nicht einmal in der Rahmenliebesgeschichte zwischen Ritter Lanze (Til Schweiger) und der Königstochter Herzelinde (Julia Dietze). Dabei war doch gerade Charme, neben einer hemmungslosen Spiellust, das fette Pfund, mit dem Schweigers diesjähriger deutscher Jahreshit „Keinohrhasen“ bei über sechs Millionen Kinozuschauern wucherte. Stattdessen wird fühlbar auf Kommando aufgesagt, von Thomas Gottschalk, der einen ziemlich müden König gibt, bis zu Anna Maria Mühe, die als kecke Magd einmal „Was ist denn das für ein Kackstück?“ ruft (aber das ist jetzt nicht rezensentisch gemeint). Und der rundum barocke Helmut Markwort als Chef von „Schild am Sonntag“ darf sein Promo -Sprüchlein aufsagen: „Fakten, Fakten, Fakten, und immer an den Leser denken.“

Der Leser mag’s im Zweifel kurz, drum schnell noch dies: Es gibt in diesem Film mit Ritter Erdal (vorzugsweise augenrollend: Rick Kavanian) einen betrügerischen, triebhaften, gierig dönerverschlingenden türkischen An alphabeten, aber das ist ganz bestimmt nicht türkenfeindlich zu verstehen, denn Erdal ist erstens kein Muslim und zweitens Ritter Lanzes bester Kumpel. Auch gibt es nichts Schwulenfeindliches und erst recht überhaupt nichts Frauenfeindliches in „1 ½ Ritter“, schließlich ist der Harem, der sich um den Schwarzen Ritter (Tobias Moretti) und vermeintlichen Herzelinde-Entführer schart, ausdrücklich „basisdemokratisch“ zustande gekommen. Zudem taugt das Lager der blutjungen Willigen auch noch zu was anderem, denn auf dem langen Marsch durch das Genre Königstochterbefreiung verliert der grundschüchterne Ritter Lanze hier unter markerschütterndem Lustgeschrei seine Jungfernschaft. Und enthüllt zuvor nicht zum ersten Mal seinen makel- und haarlosen Oberkörper: ein klares Bekenntnis zur Abrüstung mit Putin-Effekt.

Darauf ein Beck’s! Oder auch zwei: Schließlich sind knapp 3,5 Millionen Euro aus einem Halbdutzend (halb-)staatlicher Fördertöpfe in die Unterstützung dieses Films geflossen, bis hinauf zur Million aus der vielgerühmten goldenen Gießkanne des Kulturstaatsministers. Da wird auch der Kritiker mal ein bisschen mitfeiern dürfen.

In 18 Berliner Kino-Centern

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