13 Gründe : Warum unser Land so toll ist

Unlängst auf der Berlinale, ab heute im Kino: Nach dem Vorbild des legendären "Deutschland im Herbst" (1977) versucht sich "Deutschland 09", das Gemeinschaftswerk von 13 Regisseuren, an einer kritischen Zustandsbeschreibung der Nation. Dabei wäre es vielleicht eher Zeit für eine Liebeserklärung. 13 Gründe.

1

Weil der Himmel so weit ist über Brandenburgs Landschaften, auch wenn außer Angela Schanelec das niemand sieht. Deutschland: ein Sommermärchen.

2
Weil sich offenbar immer noch genug Leute mit Hans Steinbichler darüber aufregen können, ob eine Tageszeitung Frakturüberschriften benutzt oder nicht.

3
Weil zwar Politiker wie Frank-Walter Steinmeier katastrophale Fehler in Fällen wie Murat Kurnaz machen können, es aber immer noch Medien gibt, die lautstark protestieren. Auch ohne Fatih Akin.

4 Weil Wolfgang Becker mit viel Geld eine hohltönende Krankenhaussatire als Deutschlandmetapher entwerfen kann – um sie dann auf eine immer noch lange Viertelstunde runterzukürzen. Ein Prosit aufs deutsche Filmfördersystem!

5
Weil es zwar überall Starbucks-Cafés und Hotelketten geben mag, über deren Uniformität sich Tom Tykwer elegisch beklagt, daneben aber immer noch Unikate wie das Berliner Café Buchwald. Ein Hoch auf den Baumkuchen!

6 Weil genügend junge Regisseure wie Christoph Hochhäusler davon träumen dürfen, legitime Erben des großen Andrej Tarkowski zu sein.

7 Weil Münchner Problemgrundschüler unter Anleitung von Isabelle Stever so verständig über die Teamfähigkeit im Sportunterricht diskutieren, dass zumindest die Zukunft des deutschen Schulsystems in rosigem Licht erstrahlt.

8 Weil selbstdarstellungsbedürftige Talente wie Nicolette Krebitz und die 16-jährige Helene Hegemann sich mal eben nahezu sinnfrei mit Ikonen wie Susan Sontag und Ulrike Meinhof in Beziehung setzen. Frechheit siegt.

9 Weil überall in Deutschland genügend hässliche Fünfziger-Jahre-Häuser rumstehen, für deren Ästhetik Dominik Graf sich wohlfeil erwärmen kann. Er muss ja nicht gleich einziehen.

10
Weil ein iranischer Puffbesitzer in Berlin Romuald Karmakar äußerst erhellend Einblick in das Sexualleben der Deutschen gewährt. Oswalt Kolle war gar nichts dagegen.

11 Weil selbst Verschwörungstheoretiker wie Hans Weingartner dieses Land nicht in einen Orwell’schen Überwachungsstaat verwandeln können.

12 Weil sich in Berliner Suppenküchen zwar frustrierte Sozialarbeiter mit vernachlässigten Kindern herumärgern, Moral hier aber stets mit der großen Kelle ausgeschenkt wird. Ehrlich währt am längsten.

13 Und weil zergrübelte Kurzfilme nur ein Wundermittel wie das von Dani Levy erfundene Promorganas brauchen. Schon leuchten sie. til/jal

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