''21'' : Auf nach Vegas!

Zockerglück, Zockernot: Robert Luketics "21" bringt neuen Schwung in die Geschichte vom schnellen Geldgewinn.

Katja Reimann

Es steht auf der To-do-Liste eines jeden Gangsters: einmal nach Las Vegas, ins Casino und richtig abräumen. Frank Sinatra und seine „Spießgesellen“ haben es in den Sechzigern versucht, Clooney im Remake „Ocean's Eleven“ von 2001. Doch was, wenn sich niemand mehr auf Gangsterglück verlassen müsste? Wenn das Glücksspiel berechenbar wird?

Robert Luketics „21“, inspiriert von Ben Mezrichs Bestseller „Bringing Down the House“, gibt die Antwort. „Blackjack“ lautet das Zauberwort, „Kartenzählen“ die Lösung für das Problem „wie komme ich möglichst schnell an astronomisch hohe Geldsummen“. Dass die abgebrühten Spieler hoch begabte Collegestudenten und keine Berufsgangster sind, macht den temporeichen Spielerfilm umso sympathischer.

In ihrer Mitte: Ben Campbell (Jim Sturgess), ein strebsamer und überdurchschnittlich intelligenter Schüler am berühmten MIT, dem Massachusetts Institute of Technology in Cambridge bei Boston. Seinen Kindheitstraum, ein Medizinstudium in Harvard, kann er sich nur erfüllen, wenn er 300 000 Dollar für die Studiengebühren aufbringt. Die Aussicht auf ein Stipendium ist schlecht, einen Scheck seiner Mutter will er nicht annehmen. So willigt Ben nach anfänglichen Bedenken ein, der vierköpfigen Spielertruppe seines aalglatten Mathematik-Professors Micky Rosa (Kevin Spacey) beizutreten. Diese Gruppe jettet jedes Wochenende nach Las Vegas, um beim Blackjack abzuräumen. Die Studenten zählen die Karten mit, können so erkennen, was der Stapel noch enthält und entsprechend höhere Einsätze wagen. Mit seinem Hirn „wie ein Pentium Chip“ soll Ben zum Superzähler und Abkassierer werden.

Dumm nur, wenn die Gier übermächtig wird. Die Versuchung dauert in „21“ wenige Sekunden – und sorgt für ein Zerwürfnis in der Gruppe, ruiniert den VegasCoup und schließlich Bens Leben. Oder doch nicht? Immerhin ist Ben kein Spielertyp, sondern ein Mathegenie. Und dass es zum Gangsterleben gehört, mindestens einmal von der Casino-Security verprügelt zu werden, weiß man spätestens seit Martin Scorseses „Casino“. Also: Augen zu und durch – und gleich ein neues, noch gewagteres Ding gedreht.

Freunden des Spielergenres erzählt Luketics Film nichts Neues, doch er bringt neuen Schwung in die Geschichte vom schnellen Geldgewinn. „21“ macht Spaß: trotz – oder gerade wegen – seiner Anleihen bei früheren Spielerfilmen, wegen des perfekt harmonierenden Ensembles, wegen des super Soundtracks, und nicht zuletzt wegen der immer wieder verführerischen Gaukelei, dass es irgendwie doch ganz einfach sein könnte, im Casino ein paar Millionen abzustauben. Auf nach Vegas! Katja Reimann

In 16 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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