[Kommentare: 0]

Film

Tausendküken in Tansania

Die Tierdoku "Das Geheimnis der Flamingos".
Anzeige
Bild vergrößern
Kühle Erfrischung für den Flamingo. - Foto: dpa
Der Natronsee im Norden von Tansania. 60 Kilometer lang, kaum einen halben Meter tief, strahlend blau unter schweren Gewitterwolken, über den Steilfelsen des Great Rift Valley spuckt ein Vulkan Feuer und Asche. Ein Ort der Schönheit und der Urgewalten. Wegen des hohen PH-Werts stinken die Wasser des Sees, wenn sie verdunsten, wird die Salzkruste beißend scharf, bei Temperaturen bis zu 60 Grad. Wasser und Feuer, Hitze und Salz, ein Höllengemisch. Und wegen der Blaualgen ein Paradies für Flamingos – bis zu zwei Millionen Vögel nisten jährlich auf den ätzenden Salzbänken.

Es ist nicht leicht, einen Tierfilm zu drehen. Den Wundern der Natur mit der Kamera auflauern, erfordert Geduld und Demut; sie auch noch in eine Handlung einzuspeisen, eine schlüssige Idee. Seit dem Riesenkassenerfolg von „Die Reise der Pinguine“ sind Tierfilme deshalb entweder Melodramen mit menschelnden Protagonisten oder Appelle zur Rettung bedrohter Tierarten wie zuletzt im Delfin-Film „Die Bucht“.

„Das Geheimnis der Flamingos“, eine Produktion der neuen Sparte Disney Nature, wählt einen dritten Weg und knüpft an die Bilderpoesie von „Mikrokosmos“ oder „Nomaden der Lüfte“ an. Die britischen Regisseure Matthew Aeberhard und Leander Ward halten mit der Kamera fest, wie das Carotin in den Algen das Gefieder der Flamingos pink und ihre Schwingen purpurrot färbt. Sie zeigen die bizarre Komik der zackigen Kopfbewegungen bei der Balz, die Tausende von Küken, die nach einem glühend heißen Monat wie gerupfte Hühnchen mit Stutzflügeln und salzverklumpten Füßen ins Leben stolpern, die von Wächtervögeln geschützte Kindergartenkolonie – und die seelenruhigen, mörderischen Attacken der fleischfressenden Marabus.

Kreislauf des Lebens. Wenn der Zug der Vögel eine farbenprächtige Partitur in den Himmel über der archaischen Mondseenlandschaft zeichnet, ist das schon Filmstoff genug. Leider wird der Schauwert der Flamingos von einer mythisch raunenden Offstimme, Regenbogenkitsch und pop-orchestralem Soundtrack zur Naturreligion überhöht. So sehr man sich freut, dass mal keine menschlichen Tugenden in die Tiere hineininterpretiert werden, so ärgerlich wird es, wenn das Ei des Flamingos am Ende mit dem Kosmos gleichgesetzt wird. Christiane Peitz

Cinemaxx Potsdamer Platz

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.12.2009)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Körpersprache:

Mach uns die Welle, Guido!
Der Coach, Körperpsychotherapeut und Publizist Ulrich Sollmann über den Empörungspolitiker Guido Westerwelle und die Wirksamkeit seiner politischen Körpersprache.

Schiedsgericht:

Freispruch zweiter Klasse für Sarrazin
Der Bundesbankvorstand Sarrazin darf SPD-Mitglied bleiben. Das Landesschiedsgericht hat den früheren Finanzsenator vom Vorwurf freigesprochen, sich rassistisch geäußert und daher gegen die Grundsätze seiner Partei verstoßen zu haben.

Kommentare [ 0 ]

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 24 - 4 = 


Anzeige
Weitere Themen

"Ich zahle gerne Steuern" Lesezeichen hinzufügen

Benjamin von Stuckrad-Barre über Westerwelles Hautproblem, Popliteratur und ... mehr...

Amerikanische Blutsauger Lesezeichen hinzufügen

Von Lutz Göllner
Stephen King schreibt einen Fortsetzungscomic – und wird immer politischer. mehr...

Thursday Next, übernehmen Sie!  Lesezeichen hinzufügen

Von Stefan Dornuf
Der Brite Jasper Fforde schickt seine bewährte Geheimagentin aus, um die ... mehr...

Megafaun im Café Zapata Lesezeichen hinzufügen

Rauschen, Quietschen, Pfeifen, Fiepen: Megafaun und eine wüst-schöne, ... mehr...

Aber, bitte, keine Rache Lesezeichen hinzufügen

Von Andreas Schäfer
Andreas Schäfer über altgewordene Widerständler. mehr...
Fotostrecken

Simulationen zur Museumsinsel (4 Bilder)

Duckomenta (20 Bilder)

Schinkel-Wettbewerb 2010 (14 Bilder)

Oscars 2010 (25 Bilder)

Oscar-Nominierungen 2010 (20 Bilder)

Die Preisträger der Berlinale (12 Bilder)
Anzeige
» ERGEBNIS ANSEHEN
Anzeige