ACTIONTHRILLER„Das Bourne Vermächtnis“ : Jäger der verlorenen Pillen

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Okay, die Jagd über die Dächer ist wieder dabei, auch der Sprung tief hinunter in die Gassenschlucht, der Verfolgungsmarathon mit Autos, fliegenden Motorrädern und dröhnendem Soundtrack, 15 Minuten lang, mitten im Straßenchaos von Manila. Ebenso wenig fehlt das Duell zwischen der CIA mit totalem Überwachungsnetz à la Google Earth und dem Einzelkämpfer, der sich nicht orten lässt, und der Schauplätze-Jetset jagt einen wieder rund um den Globus, von Alaska bis auf die Philippinnen. Ortswechsel im Minutentakt, so war es schon in Teil 3.

Es ist ein arges Zitieren in Teil 4, dem ersten „Bourne“-Film ohne Bourne und ohne Matt Damon. Gemeinsam mit Regisseur Paul Greengrass hatte sich Damon offenbar mit Drehbuchautor Tony Gilroy überworfen, also musste für die Fortsetzung der Erfolgsserie (über 940 Millionen Dollar Einspielergebnis weltweit) ein neuer Held her, Aaron Cross alias Jeremy Renner. Der spielt ebenfalls eine mittels Biochemie hochgezüchtete Kampf- und Killermaschine, aber ohne Damons Melancholie. Renner („The Hurt Locker“, „The Avengers“) versieht seine beachtliche physische Präsenz immerhin mit der Aura des Einzelgängers. Gleich zu Beginn erlebt man ihn beim Überlebenskampftraining im ewigen Eis, allein gegen die Wölfe Alaskas. Aber er hat keine Probleme mit seiner manipulierten, umprogrammierten Identität. Er hadert nicht, er handelt – was seine Figur recht eindimensional macht. Rachel Weisz hat als betreuende Ärztin mit schlechtem Gewissen und Begleiterin auf der Flucht auch nicht den Appeal einer Franka Potente. Liebe? Lässt Gilroy nicht zu. Während Bourne, der Gejagte, zum Jäger seines eigenen Ichs wurde, jagt Cross bloß den Pillen hinterher, die er für seine Superpower braucht.

Der Rest ist Actionthriller-Standard: Nach der Enthüllung der Bourne-Affäre beschließt der Chef des Geheimprogramms „Outcome“ (Edward Norton), alle Beteiligten liquidieren zu lassen, weltweit, Agenten wie Wissenschaftler. Zwei können sich retten, Agent Nr. 4 und die Ärztin, und sind fortan auf der Flucht. Eine Feier der permanenten Bewegung wie bei Greengrass wird aber nicht daraus – Gilroy führte selbst Regie. Einmal heißt es bei der CIA, Jason Bourne sei in Manhattan, definitv. Dort endete 2007 die irrwitzige Hetzjagd des „Bourne-Ultimatums“; Teil 4 präsentiert also kein Sequel, sondern eine Parallelstory. Die einzige Pointe, ein netter Gruß an die Fans. Epigonal. Christiane Peitz

USA 2012, 135 Min., R: Tony Gilroy, D: Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Joan Allen, David Strathairn

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