Afrika auf der Leinwand : Kämpfen

Mutig: „Sisters in Law“ – Juristinnen in Kamerun. Ein Dokumentarfilm über die Unterdrückung der Frauen, patriacharlische Strukturen und den Einsatz zweier Frauen für eine andere Gesellschaft.

Christina Tilmann

Ja, und der Ehemann mit seinem zerknitterten Gesicht, der hilflos dasteht, die Hände knetet, nach Worten ringt, zu weinen anfängt? Mitgefühl mit ihm haben sie nicht, die Richterin und die Staatsanwältin, die im Gerichtssaal von Kumba für die Rechte der Ehefrau kämpfen. Der Mann sei ein alter Knacker und Amina mit 14 Jahren an ihn verheiratet worden, ohne Chance, ohne Wahl. Er hat sie geschlagen und zum Sex gezwungen. Nun will sie die Scheidung. Doch eine Scheidung sieht die Gesellschaft nicht vor.

Parteiisch sind sie, die resolute Vera Ngassa und die ruhige Beatrice Ntuba. Im Zweifel stehen sie auf der Seite der Frau. Aber nur, weil die Gesellschaft immer auf der Seite des Mannes steht. Wenn man in einer parteiischen Gesellschaft parteiisch ist, ist das dann nicht ausgleichende Gerechtigkeit? Der Mann verteidigt sich: Die Scharia sieht vor, dass Ehefrauen das Haus nicht ohne Erlaubnis des Mannes verlassen dürfen. Sie habe auf ihren Ausgängen einen lockeren Lebenswandel geführt, sagt der gut gelaunte Anwalt des Ehemanns, Schulterklopfverhalten unter Männern. Auch die Familie der Ehefrau wie auch der islamische Ältestenrat, der über dem Scheidungsbegehr zusammentritt, drängen Amina: Kehr zurück, hab dich nicht so.

Am Ende spricht der Ältestenrat die Scheidung aus, gegen den Willen des Mannes. Ein kleiner Sieg, für Amina die große Freiheit. Und für alle anderen Frauen noch viel mehr. „Du hast das für uns getan. Wir dachten immer, man kann sich nicht wehren. Jetzt haben wir Hoffnung“, sagen die Frauen in Kumba, der Kleinstadt in Kamerun. Und die jungen Jurastudentinnen in Vera Ngassas Seminar applaudieren. „Auch manche von euch geben lieber nach, statt für das Recht zu kämpfen“, ermahnt sie die Staatsanwältin. Den Mut, einen Prozess gegen den Druck von allen Seiten durchzuhalten, hatte zuvor keine der von ihr vertretenen Frauen. In ihren 17 Jahren Praxis ist es die erste Verurteilung wegen häuslicher Gewalt.

Drei Fälle aus dem Gerichtsalltag von Kumba sind es, die die britischen Regisseurinnen Florence Ayisi und Kim Longinotto mit ihrem herausragenden Dokumentarfilm „Sisters in Law“ begleiten – wobei sie nicht viel mehr tun als Verhandlungen, Verhören und Gesprächen zu folgen. Drei kleine, scheinbar zufällig gewählte Fälle: Amina, die ihren gewalttätigen Mann verlassen will, die 10-jährige Sonita, die von einem Nachbarn vergewaltigt wurde, und die kleine Manka, die von ihrer Stieftante wie ein Dienstmädchen gehalten und schwer misshandelt wird. Immer sind die Opfer still und verschüchtert, immer fühlen sich die Täter im Recht. Am Ende werden die Delinquenten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Drei kleine Fälle in einer afrikanischen Provinzstadt, in der zwei engagierte Juristinnen für Recht im Unrecht sorgen. Oberflächlich gesehen haben sie nur drei Frauen geholfen. Aber sie sind dabei, eine ganze Gesellschaft zu verändern.

Nur in Berlin, OmU, Bundesstart 13. 9.

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