Akte X : Der kalte Tod

Endlich irdisch: In "Akte X – Jenseits der Wahrheit" geht es fast zu wie in einem Freitagabendkrimi, nur größer und teurer.

Frank Noack
Akte_X
Mulder und Scully lösen einen rätselhaften Fall. -Foto: Fox

Für Kritiker gibt es nicht nur eine Informations-, sondern manchmal auch eine Schweigepflicht. Schweigen sollten sie etwa, wenn die gesamte Handlung eines Films sich als Traum entpuppt oder wenn sich herausstellt, dass die Hauptfigur von Anfang an tot war. Zu viel Geheimnistuerei wiederum von Verleiherseite ist auch kontraproduktiv. Sie ruft Spielverderber auf den Plan, die den kompletten Inhalt ins Netz stellen.

Die Desinformationspolitik um den neuen „Akte X“-Film – spätestmögliche Pressevorführung, Pressematerial ohne Inhaltsangabe – provozierte solche Sabotageakte. Dabei gibt es gar nichts zu verraten. Kein Verräter in den eigenen Reihen, nicht einmal Ufos, die für alles zuständig sind. Es geht fast zu wie in einem Freitagabendkrimi, nur größer und teurer. Das konnte man von der TV-Kultserie (1993–2002) nicht behaupten. Da ermittelten die FBI-Agenten Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Armstrong) von der Abteilung für paranormale Ereignisse ironiefrei gegen Außerirdische, die eine Invasion der Erde vorbereiten und Mulders Schwester entführt haben.

Der erste Kinofilm vor zehn Jahren übernahm noch dieses Konzept. „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ nun empfiehlt sich Zuschauern, die die Serie wegen ihrer Esoterik ablehnten. Alles, was hier passiert, ist irdisch. Die reaktivierten Mulder und Scully müssen über keinen sechsten Sinn verfügen. Jeder gewöhnliche Kriminalbeamte könnte ihren Fall lösen. Eine FBI-Agentin wird vermisst, und in den kanadischen Wäldern findet man sauber abgetrennte Körperteile. Eine weitere Frau verschwindet. Steht hinter allem, die Visionen eines gefallenen Priesters deuten darauf hin, ein geheimes medizinisches Experiment?

Besonders die herausragende Darstellung von Gillian Anderson ist es, deretwegen der Kinobesuch lohnt. Scully, nun Ärztin in einem finsteren Krankenhaus, will einen tumorkranken Jungen operieren und muss sich gegen einen verständnislosen Kollegen durchsetzen. Das intensiv gespielte Ärztinnen-Melodram drängt den Thriller fast in den Hintergrund. Und was ist „Jenseits der Wahrheit“? Noch ein Geheimnis: Es wird gelüftet, wenn demnächst die DVD erscheint. Die 105-Minuten-Kinofassung ist bloß der Appetitanreger. Frank Noack

In 22 Kinos; OV Cinestar Sony-Center

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