Armin Völckers "Leroy" : Doof bleibt doof

Lachen über Neonazis: Ein dunkelhäutiger Junge verliebt sich in ein Mädchen, welches aus einer rechten Familie kommt. Armin Völcker inszeniert die Geschichte behutsam mit sanfter Ironie in seinem neuen Film "Leroy".

Martin Schwickert
Leroy
"Ich bin Deutsch" Multikulti im beschaulichen Schöneberg. -Foto: promo

„Papa, vor der Tür steht ein Nigger!“, ruft der kahlgeschorene Sohnemann. Immerhin war Leroy (Alain Morel) vorgewarnt. Die Familie sei rechts, hieß es in der Schule, als der junge Afrodeutsche sich in Eva (Anna Hausburg) verliebte. Nun stehen Evas Brüder in Bomberjacken und Springerstiefeln im Wohnzimmer und starren den Besucher an. Im Hintergrund zwitschern die Wellensittiche – sie heißen Kaltenbrunner und Rommel.

Wurde jüngst noch bei Dani Levys „Mein Führer“ in tiefem Ernst darüber diskutiert, ob man über Hitler lachen dürfe, sind jetzt die Neonazis als Komödienmaterial dran. In seinem Spielfilmdebüt „Leroy“ erzählt Armin Völckers eine klassische Romeo-und-Julia-Geschichte im offenbar vom Rassismus gebeutelten Deutschland. „Ich bin Deutscher“: Unmissverständlich stellt Leroy dies gleich zu Beginn fest, während er durch die sonnigen Straßen des Multikultibezirks Berlin-Schöneberg schlendert. Sogar auf Mozart und Goethe steht der Junge. Und Cello spielt er auch noch.

Etwas unschlagbar Naives haftet diesem Leroy an; erst durch Eva und ihre braunen Brüder wird er auf sein Anderssein aufmerksam, was angesichts der Verhältnisse in diesem Land eher unwahrscheinlich erscheint. Andererseits entschlüpft die so entworfene Figur damit flink der allzu geläufigen Opferrolle und wehrt sich stets optimistisch gegen rechten Schwachsinn. Schließlich entdeckt Leroy sogar seine Black-Power-Identität: Mit ledernem Shaft-Outfit und Malcolm-X-Hornbrille tritt er den Bomberjacken entgegen. Armin Völckers setzt das mit sanfter Ironie in Szene.

Der junge Alain Morel, eine echte Entdeckung, dürfte mit seinem offenherzigen Charme vor allem das weibliche Teenie-Publikum gewinnen. Dabei ist „Leroy“ keineswegs perfekt. Manchmal knirscht es gewaltig in der Komödiendramaturgie, nicht jede Pointe sitzt an der richtigen Stelle, und einige Figuren im weiten Verwandtschafts- und Freundeskreis des Helden bleiben blass. Aber der Film hat den Atem der Respektlosigkeit, den man in der Debatte um rechte Gewalt oft vermisst. Nazis mögen zwar gefährlich sein, vor allem aber sind sie blöd. Diese keineswegs neue, aber sehr unterhaltsame Erkenntnis führt „Leroy“ in gebührender Ausführlichkeit, mit viel Humor und Slapstick vor. Merke: Wer über seine Gegner nicht lachen kann, hat schon verloren. Martin Schwickert

In zwölf Berliner Kinos

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