Auf dem Sprung : Der Film "Hotel Sahara" zeigt Flüchtlingsdramen

In Nouadhibou enden und beginnen die Abenteuer. Wer von der spanischen Guardia Civil zurückgeschickt wurde, wartet hier auf die nächste Chance, wer eben erst aus Guinea, Kamerun oder Togo in der mauretanischen Hafenstadt angekommen ist, hofft, dass er nicht lange warten muss. Ein Film begleitet die Passagiere.

Hans-Jörg Rother

 „Wenn du fahren sollst, hast du keine Wahl“, sagt einer, der die lebensgefährliche Passage – tausend Kilometer bis zu den Kanaren – schon bezahlt hat. „Ein Leben im Wartestand“ nennt die afrikaerfahrene Regisseurin („Zwischen zwei Welten“) und Entwicklungshelferin Bettina Haasen diese an Gesundheit und Geldvorräten zehrende Situation.

Die Immigranten sind jung. Chichi aus Nigeria, eine der wenigen Frauen, ist 23 Jahre alt. Ihr Vater hat ein Stück Land verkauft, damit die Tochter für 10 000 Euro nach Amsterdam gelangen kann, das „gleich auf der anderen Seite des Senegal-Flusses“ liegt, wie die Schlepper versprachen. Mit leeren Händen und schwanger wird sie in ihr Heimatdorf zurückkehren. Ein anderer, Lamiya, 20 Jahre, entstammt einer Familie in Conakry und träumt davon, beim FC Barcelona Karriere zu machen. Drei Jahre schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch und will die Überfahrt noch einmal versuchen, obwohl er schon zwei Mal fast ertrunken wäre. Provisorisch behaust, auf der Hut vor der Polizei, Betrügern und Dieben, geben die Menschen ihren Traum nicht auf. Daheim warten die Verwandten auf ein Lebenszeichen, die Überweisung.

Bettina Haase hat die jungen Leute im Halbdunkel eines Quartiers, in Unruhe wegen der fortwährend Drehgenehmigungen fordernden Kontrolleure getroffen. Einer der Männer sagt: Europa ist durch Afrika reich geworden und wird es noch heute. Auf dem Schiffsfriedhof neben dem Hafen konnte die Autorin dagegen ohne Behinderung drehen: rostige Kähne, die sich wie von selbst als Symbole der gescheiterten Hoffnung anboten.

Ungerührt von den Sorgen der Fremden sortieren nebenan die Fischer ihren Fang. Die gute Ware geht nach Europa, die billige bleibt. Fischer sind es auch, die die auf den Strand geworfenen Leichen finden. Und doch werden täglich wieder Afrikaner ihr Leben dransetzen, um nach Europa zu gelangen.

Central (OmU), Lichtblick, Movimento

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