"Bee Movie" : Wer ausschwärmt, lebt

Tiere sind doch die besseren Menschen: der amerikanische Animationsfilm „Bee Movie“.

Martin Schwickert
Bee Movie
Antreten zum Tropfenfang. Bienenfleiß im Wabenknast - das ist nichts für den jungen Barry. -Foto: Universal

An „Ratatouille“ kommt in diesem Jahr kaum jemand vorbei. Nicht nur hat die charmante Geschichte um das nagetierische Kochgenie unter dem Animationsfilmen an der Kasse locker die „Simpsons“ und „Shrek den Dritten“ hinter sich gelassen, sondern setzte auch Maßstäbe in Sachen dramaturgischer Originalität und computergenerierter Zauberei. Nun drängt mit Steve Hickners und Simon Smiths „Bee Movie“ kurz vorm Ende des insgesamt schwachen Kinojahres ein weiterer Film auf die Leinwände, der die Welt aus der Tierperspektive zeigt – geschrieben von dem amerikanischen TV- Komödianten Jerry Seinfeld, der es in den Neunzigern mit seiner Sitcom „Seinfeld“ zum Multimillionär gebracht hat. Das Resultat ist, als Perlenschnur von Pointen und Episoden, hübsch anzusehen. Nur fehlen ihm die über Spielfilmlänge zündende Grundidee und ein überzeugender Spannungsbogen – kurzum all das, was Liebhaber des Genres aus „Ratatouille“ noch schmerzhaft frisch in Erinnerung haben.

Dabei ist die Biene Barry B. Benson – im Original von Seinfeld selbst gesprochen – der Ratte Remy insofern nicht unähnlich, als erneut ein jugendlicher Held gegen seine animalische Bestimmung aufbegehrt. Nach neuntägiger Schulausbildung soll Barry sich für einen Beruf entscheiden. Bei einer Fahrt durch den Bienenstock, inszeniert wie eine Mischung aus Vergnügungspark und Arbeitslager, fragt der aufgeweckte Drohnenjüngling: „Sollen wir uns denn wirklich zu Tode arbeiten?“ – „Das wollen wir doch hoffen!“, dröhnt fröhlich die Berufsberaterin.

Doch das ganze kurze Bienenleben wie der eigene Vater bloß Honig umrühren oder gar als Tropfenfänger in der Produktion arbeiten: Das ist nichts für Barry. Weshalb er sich lieber bei der Pollencrew verpflichtet – jener Eliteeinheit, die jeden Tag für Königin und Bienenstock ausschwärmt und die große, weite Welt sehen darf. Als er sich im Central Park verfliegt und mit seiner Retterin, der hübschen Floristin Vanessa, anfreundet, entdeckt er bei der Besichtigung eines Supermarkts entsetzt, dass die Menschen seinen Artgenossen in großem Stil den Honig stehlen. Die Ausbeutung wird zwar nicht gleich mit einer Revolution der Bienenvolksmassen, wohl aber vom Obersten Gerichtshof geahndet. Kurz weht ein Hauch von Marxismus durch den Film, bevor Mensch und Tier doch im Kapitalismus kollaborativen Frieden finden.

Unentschlossen summt „Bee Movie“ von der verhinderten Liebesgeschichte über die antikapitalistische Parabel und die Satire auf die US-Justiz zum ökologischen Belehrungsfilm – und das ist eindeutig zu viel des Gutgemeinten. Da hatte „Ratatouille“ das Aufbegehren gegen das eigene Schicksal und das schwierige Verhältnis zwischen Mensch und Tier weitaus tiefgreifender verhandelt. Und unterhaltsamer obendrein.

In 25 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar Sony-Center

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