Berlinale : Martenstein die Achte

Harald Martenstein erklärt, wen er warum gern als Goebbels sehen würde

Harald Martenstein HP Kontur

War, wie man in Berlin sagt, im „Jud Süß“ gewesen. Moritz Bleibtreu als Joseph Goebbels ist nicht ganz so gut wie Ulrich Matthes, Ulrich Mühe und Sylvester Groth, die ebenfalls in jüngster Vergangenheit den Reichspropagandaminister verkörpern durften. Ich habe das Gefühl, dass die Figur Goebbels der neue King Lear ist. So, wie jeder große Schauspieler früher irgendwann in seiner Karriere einmal den Lear am Burgtheater gespielt haben wollte, spielen heute halt unsere Besten irgendwann den Goebbels. Wen ich auch gerne einmal in dieser Paraderolle des deutschen Kinos sehen würde: Jürgen Vogel, Daniel Brühl, Sky Dumont, Harald Schmidt. Wenn das ZDF sein Goebbels- Movie produziert – Goebbels überlebt, hat eine Gesichtsoperation, flieht nach Namibia und baut sich dort eine neue Existenz als Walschlächter und Umweltverpester auf –, dann muss aber auch wirklich und endlich Veronica Ferres den Goebbels spielen.

In dem Film haben die Nazis ständig Sex, diese Nazis treiben es ja schlimmer als Tiger Woods. Bis auf die Sexszenen – Gudrun Landgrebe, am geöffneten Fenster, beim Luftangritt, vor Enthusiasmus schreiend, Martina Gedeck, in Strapsen auf einem sich drehenden Plattenteller – ist „Jud Süß II“ aber echt ein extrem furchtbarer Film.

Ich habe jetzt auch den Skandalschocker „Geliebt“ gesehen, über Männer, die Hunde lieben. Eine Bekannte fragte, ob sie es mit Rüden oder mit Hündinnen tun – erst da wurde mir klar, dass es auch in der Zoophilie, so heißt der Fachbegriff, hetero und homo geben dürfte oder auch maso, zum Beispiel, wenn jemand sich von Hunden, wo auch immer, beißen lässt und dabei Lust empfindet. In diesem Fall sind die Zoophilen hetero. Sie sagen, dass sie bisher nie eine dauerhafte Beziehung aufbauen konnten, eine Hündin sei auch treuer als andere Gefährtinnen und würde nie im Leben was mit einem Rüden anfangen. Allerdings hatten die Männer Angst, ihren Müttern die Schwiegertochter vorzustellen, nicht etwa, weil diese ein Dobermann sei, sondern weil es sehr wahrscheinlich keine Enkel gibt. Die Männer sahen nicht übel aus und waren sehr nett, sie sagten: „Die Bedeutung der Sprache für eine Liebesbeziehung wird überschätzt.“ Der Film hat bei mir mehrere Vorurteile abgebaut.

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