Berlinale Shooting Star 2013 : „Berlin versprüht eine sehr warme Atmosphäre“

Die Kosovarin Arta Dobroshi hat auf der Berlinale den Shooting Star Award 2013 erhalten. Ein Interview mit der Schauspielerin über die Situation von Filmschaffenden in ihrer Heimat und die Atmosphäre der Berlinale.

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Arta Dobroshi ist Shooting Star 2013.
Arta Dobroshi ist Shooting Star 2013.Foto: AFP

Arta Dobroshi ist die Schauspiel-Hoffnung des Kosovo und erhielt den Shooting Star Award bei der Berlinale. Anlässlich der Auszeichnung und des fünften Jahrestages der kosovarischen Unabhängigkeit baten wir um ein Interview, das sich aufgrund des straffen Zeitplanes Dobroshis leider nur per Mail realisieren ließ.

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch. Haben Sie erwartet, zu den besten Nachwuchsschauspielern gekürt zu werden?

Shooting Stars verfolge ich seit mehreren Jahren. Ich erinnere mich daran, als ich vor etwa 9 Jahren zum ersten Mal bei der Berlinale war, dass ich den Shooting Star-Katalog gesehen habe und den Wunsch verspürte, auch einmal Shooting Star zu werden. Jetzt wurde der Wunsch wahr und ich bin überwältigt.

Die Jury lobte Ihre Eigenschaft, im aktuellen Film „Trois Mondes“ (Drei Welten) die Leinwand mit „Wärme und Menschlichkeit“ auszufüllen…

 Die Jurybewertung hat mich außerordentlich gefreut, weil ich all mein Herz in diese Rolle gesteckt habe und versucht habe, der Rolle so viel Gefühl wie möglich zu verleihen.

Sie spielen die Hauptrolle „Very“. Vera ist die Frau des Opfers, das angefahren wird. Was hat Ihnen an der Rolle gefallen?

Und der Bär geht an...
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Ihre Ehrlichkeit und ihre Gerechtigkeit.

Als Sie die Rolle in „Lornas Schweigen“ erhalten haben, haben Sie Französisch gelernt. Welche Hürde mussten Sie für Trois Mondes nehmen?

Ehrlich gesagt, war der Dreh zu „Trois Mondes“ einfach nur schön. Es gab keine Schwierigkeiten. Für Lornas Schweigen habe ich zwei Monate intensiv Französisch gelernt und danach haben wir mit den Dreharbeiten begonnen. Das waren wunderschöne Erfahrungen.

Als Ihnen der Shooting Star Award überreicht wurde, sagte Julie Deply: "Don't do it, but if you do it, good luck." Warum haben Sie sich entschieden, Schauspielerin zu werden.

Ich habe nicht ganz verstanden, was Julie Deply genau mit diesem Satz sagen wollte. Wir, alle Shooting Stars 2013, waren maßlos glücklich darüber, dass wir den Preis erhalten haben. Dieser Award ist eine große Unterstützung für uns alle. Schauspielerin bin ich geworden, weil ich meinem Herzen gefolgt bin. Mein Herz hat mich geleitet.

Sie leben im Kosovo. Wie sind die dort die Schaffungsmöglichkeiten für Schauspieler?

Ich lebe überall ein bisschen. Die Situation in Kosovo ist für Schauspieler sehr schwierig, allerdings ist die allgemeine Lage dort sehr schwer, weil unsere Regierung nicht viel für den Staat macht. Aus diesem Grund sieht sich Kosovo heute in diesem schwierigen Zustand, in der 40 Prozent der Bevölkerung arbeitslos sind.

Noch eine politische Frage: Die Länderangabe auf Ihrem Shooting Star-Profil ist mit einem Sternchen (der sogenannten Fußnote) versehen. Das war ein politscher Kompromiss zwischen Kosovo und Serbien. Wie stehen Sie dazu?

Das stört mich selbstverständlich. Es ist total unverständlich warum unser Premierminister beschlossen hat, diese Fußnote zu akzeptieren, ohne es mit der kosovarischen Öffentlichkeit zu diskutieren. Besonders vor dem Hintergrund, dass so viele Generationen ihr Leben dem unabhängigen Kosovo geopfert haben, ist das eine schlimme Entscheidung.

Sie waren unter anderem auch beim Internationalen Filmfestival in Cannes. Wenn Sie das mit der Berlinale vergleichen, was gefällt Ihnen an Berlin und der Berlinale?

Berlin gefällt mir sehr, weil die Stadt eine sehr warme Atmosphäre versprüht und diese sich in der Berlinale widerspiegelt. Auch der Direktor des Festivals, Dieter Kosslick, trägt dazu bei. Er ist sehr gastfreundlich und schafft es, dass wir uns wie zu Hause fühlen.

Haben Sie sich in der Berlinale Filme angeschaut und wenn ja, welche?

Dieses Jahr hatte ich gar keine Zeit, um mir Filme anzuschauen, weil wir ein volles Programm im Rahmen der Shooting Star-Aktivitäten hatten. Dennoch war das eine unvergessliche Erfahrung und ich hatte tolle Tage hier. Ich danke dem ganzen Shooting Star-Team, dem EFP und den Berlinale-Organisatoren, aufgrund derer wir uns so gut fühlen konnten.

  

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