Botero : Dicke Freunde

Peter Schamonis Filmportrait über den Künstler Fernando Botero erschließt den Künstler auf äußerst dynamische Weise.

Cristina Moles Kaupp

Im Sommer 2007 standen sie zentimetergenau ausgerichtet im Berliner Lustgarten: der stämmige Gaul mit den knubbeligen Beinen, eine bäuchlings Früchte naschende Nackte, Adam und Eva, ein tanzendes Paar, eine Sphinx. Allesamt monströse Bronzeskulpturen von sattschwarzer Glätte, Werke des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. In seinen Gemälden triumphieren schwellende Leiber in überwältigender Farbigkeit und übertriebenen Proportionen. Sinnlichkeit sollen sie ausdrücken, des Malers eigenwillige Ode an das Leben. Naiv? Zumindest auf den ersten Blick. Mögen Boteros Werke auch nicht jedermanns Geschmack sein - Peter Schamonis Filmporträt erschließt den 76-jährigen Künstler auf äußerst dynamische Weise.

Seit den siebziger Jahren sind die beiden befreundet, als Schamoni, damals ein Neuerer des deutschen Films, Boteros Werke in der Münchener Galerie Buchholz entdeckte. Dort auch begann Boteros Durchbruch, neun lange Jahre hatte er zuvor in Manhattan erfolglos dem Diktat der abstrakten Kunst getrotzt. "Heute bringe ich den Menschen meine Kunst", sagt Botero. Weltweit buhlen Städte um seine Skulpturen.

In "Botero, geboren in Medellín" erzählt der Künstler, wie er als Kind das Reich der Farben und Formen entdeckt und als Kunststudent Stammgast im Madrider Prado wird, wo er begeistert Motive von Velásquez, Tizian und Goya auf seine Art adaptiert: Schonungslos frech pustet er zarte Figuren zu überdicken Wesen auf - oder schlüpft vor der Kamera gar selbst in deren Posen.

Für seine fünfte Künstlerbiographie hat Peter Schamoni den Kolumbianer auch in seine Heimat und zu frühen Prägungen begleitet: Stierkampf, Bordelle, Karneval, die Welt des Klerus und dessen fantasievolle Kostüme inspirierten Boteros Bilderwelt. "Der einzige Grund für das Malen ist, sich seine eigene Welt zu schaffen. Die Realität gibt es ja schon", sagt er. Diese Realität kann Botero wütend machen, wie nach dem 11. September, als er mit dem Abu-GhraibZyklus (2005) Folter und den Verlust der Menschenwürde anprangert. Oder sie trifft ihn unmittelbar, nach dem Unfalltod des kleinen Sohnes. Das war 1974. In seinen Bildern lässt Botero ihn noch lange fortleben.

Broadway, Hackesche Höfe, Kurbel

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