''Brandner Kaspar'' : Geh weida!

Starbesetzt und doch gescheitert: "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" macht aus einem urbayerischen Stoff ein Kasperltheater.

Julian Hanich

Weißblau strahlt der Himmel. Die Berge leuchten in der weißbiergoldenen Sonne, und die Almen grünen so grün. Bayern, Anfang der 1860er Jahre. Während die „Preiß’n“ gerade wieder irgendeinen tristen Krieg aushecken, rauft sich das Berg- und Wiesnvolk der Bajuwaren auf dem Dorffest oder schnackselt im Heu, wenn es sich nicht gerade beim Wildern in den Wäldern herumtreibt. Selbst im Himmel, wo Petrus Weißwürste zutzelt, granteln die Bayern fröhlich vor sich hin. Nur der Brandner Kaspar, der alte Bauer, hat ein Problem: den Tod. Aber – geh weida, Oida! – was ein echter Bayer ist, der säuft den Tod einfach unter den Tisch und trickst ihn auch noch beim Karteln aus.

Gibt es einen Heimatfilm ohne Klischees? Joseph Vilsmaier hat es versucht, mit „Herbstmilch“ (1989) wurde er zur großen Hoffnung des deutschen Kinos. Seitdem hat er sich vom Heimatfilm weg und hin zu den großen deutschen Themen bewegt: Stalingrad, Marlene Dietrich oder die Comedian Harmonists. Kehrt der 69-Jährige nun zum Bayernfilm zurück, weil er den Atem der Konkurrenz von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“) im Genick spürt? Seine „Geschichte vom Brandner Kasper“ ist jedenfalls eine Überraschung: Die niedrigen Erwartungen werden noch unterboten.

Manchmal meint man, einen Hauch von Ironie zu spüren. Doch er verweht schnell in Vilsmaiers Postkarten-Kino mit zurechtdrapierten Requisiten-Stillleben. Dabei ist die Besetzung eigentlich ein Coup: der Dramatiker Franz Xaver Kroetz als Brandner Kaspar und Bully Herbig als Tod. Dazu Jörg Hube als Petrus, Detlev Buck als Preußenimport und Herbert Knaup als Erzengel Michael. Doch ach, allein die Gesichtsgymnastik von Bully Herbig macht einen vor Fremdscham ganz verlegen. Dagegen war selbst Jim Carrey in seinen wildesten Zeiten ein Stoneface. So wird ein urbayerischer Stoff zum Kasperltheater. Ein Film über den Tod, der zum Sterben langweilig ist. Julian Hanich

Cinemaxx Potsdamer Platz

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