Bundeswehrdrama : "Mehr Ehrlichkeit" im Fernsehen

Soldat Ben kehrt von einem Afghanistan-Einsatz zurück. Anfangs unbemerkt leidet er am "posttraumatische Belastungssyndrom". Nico Hofmann, Filmproduzent aus Berlin, greift dieses Thema in der fiktiven Geschichte "Willkommen zuhause" auf.

Silke Katenkamp

Berlin Nach historischen Filmen wie "Dresden" und "Die Flucht" interessiert sich Nico Hofmann, Geschäftsführer der Ufa-Tochter Teamworx, jetzt für die Bundeswehr. Mit dem Heimkehrer-Drama "Willkommen zuhause" nimmt er sich eines Themas an, das laut Hofmann im Unterhaltungsprogramm des deutschen Fernsehens bisher nicht vorkam. Es geht um einen traumatisierten Bundeswehrsoldaten, der nach einem Auslandseinsatz in der Heimat nicht mehr klarkommt.

Der Film, der seit November im pfälzischen Deidesheim, Berlin und im brandenburgischen Rangsdorf gedreht wird, erzählt die fiktive Geschichte von Soldat Ben (Ken Duken), der bei einem Bombenanschlag in Afghanistan einen Freund verliert. Psychisch gestört kehrt er nach Deutschland zurück - und findet sich in seinem alten Leben nicht mehr zurecht. "Ich bin überrascht, dass in Deutschland seit Jahren niemand dieses Thema gemacht hat", sagt Hofmann.

Pfannenschmidt: "Eine breite Diskussion anregen"

Seit 15 Jahren sind deutsche Bundeswehrsoldaten im Ausland aktiv, zur Zeit insgesamt 7600, davon allein 3300 in Afghanistan. "Der Einsatz dieser Menschen ist in Deutschland mittlerweile Alltag, aber niemand schaut hin", sagt Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt ("Girl Friends"). Eine politische Position zu den Mandatsverlängerungen für Bundeswehreinsätze in Afghanistan solle mit dem Film zwar nicht bezogen werden. "Aber wir hoffen darauf, eine breite Diskussion anzuregen."

Darum sei Pfannenschmidt bei seinen Recherchen auch darum bemüht gewesen, nah an der Realität zu schreiben. Hilfe bekam er von Karl-Heinz Biesold. Der Oberstarzt kümmert sich am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg um Soldaten mit dem sogenannten posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS). "Etwa 100 Soldaten lassen sich jährlich aufgrund von PTBS behandeln", erklärte Biesold am Set. Die Zahl der Betroffenen sei aber weitaus höher. "Die meisten schweigen, weil sie niemanden haben, der sie versteht." Familie und Freunde sähen den Einsatz der Soldaten als großes Abenteuer, bei dem sie fremde Kulturen entdeckten und abends am Feuer Wasserpfeife rauchten.

Die Spätfolgen

Auch Ben spricht zunächst mit niemanden, kapselt sich ab von Freundin und Familie, wird aggressiv - und schlägt sogar einen Freund krankenhausreif. Erst die Begegnung mit Lona (Ulrike Folkerts), einer Ärztin aus der Nachbarschaft, die Bens Zustand erkennt, macht ihm klar, dass er professionelle Hilfe braucht.

Mit diesem Projekt will Hofmann neue Wege gehen. Weg von der "Mogelpackung" und all dem "Süßstoffkram", hin zu "mehr Ehrlichkeit" und einer neuen Form im deutschen TV: dem "dokumentarischen, authentischen Erzählen". Damit schließt "Willkommen zuhause", der im Herbst 2008 in der ARD ausgestrahlt werden soll, an das Konzept von Hofmanns jüngstem Film "Mogadischu" an. Darin greift er die "Landshut"-Entführung durch Terroristen im Jahr 1977 fiktional auf. (dm/dpa)

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