Christoph Waltz : Oscar für Deutschland. Basta!

Langsam sind wir aber mal wieder dran. Nachdem die Österreicher es geschafft haben, den Unsäglichen aus Braunau am Inn zum Deutschen zu machen und Ludwig van Beethoven, den Bonner, irgendwie nach Wien verortet bekamen, und wir lediglich Sissi, respektive Romy Schneider, leidlich entgegensetzen können, muss nun Christoph Waltz herhalten.

von
Christoph Waltz mit seinem zweiten Oscar für seine Rolle in "Django Unchained".
Christoph Waltz mit seinem zweiten Oscar für seine Rolle in "Django Unchained".Foto: AFP

Unser Oscar-Gewinner, nun schon zum zweiten Mal und unstrittig berechtigt. Christoph Waltz hat jetzt zum wiederholten Mal geäußert, er sei Österreicher. Aber so einfach geht das ja nun auch nicht. Nur weil er in Wien geboren wurde, dort aufwuchs, zur Schule ging, sein Abitur machte – „Matura“ nennt er das selbst, wahrscheinlich mit voller Absicht, weil man in Österreich so antiquiert spricht –, nur weil er in Wien studierte, sein Berufsleben begann, dortselbst erstmals auf der Bühne stand und erstmals drehte, kann man sich ja nicht einfach aus der Verantwortlichkeit für deutsche, respektive deutschsprachige Oscars stehlen. So viele Oscars haben wir Deutsche noch nicht gewonnen, als dass wir sie einfach für eine lächerliche Staatsbürgerschaft herschenken könnten.

Sein Vater war Deutscher, so fängt es schon mal an. Viele Jahre hatte Christoph Waltz nur einen deutschen Pass, bis Österreich ihn 2010, wohl ahnend, dass der erste Oscar nicht der einzige bleibt, aufnahm als Österreicher.

Den ersten Oscar bekam Waltz für Hans Landa, einen Deutschen, für den man sich, zugegeben, allerdings schämen muss. Den zweiten, jetzigen Oscar, bekam Waltz für Dr. King Schultz, einen Zahnarzt, dessen Vorname King nur ein Künstlername ist, und der aus Düsseldorf stammt. Das liegt am Rhein und nicht am Inn. Waltz lebte zeitweise in London und Berlin und lebt heute in Los Angeles und Berlin. Also zweimal wird Berlin erwähnt, damals und heute, London nur einmal, Los Angeles auch, und Wien gar nicht. Waltz spaziert gerne durch Charlottenburg, was auch nicht im Burgenland liegt. Auch ist er deutsch verheiratet, also mit einer Deutschen. Und wenn der Regisseur Quentin Tarantino seinen Waltz als Österreicher sehen würde, wäre Dr. King Schultz gewiss vom Ossiacher See in Kärnten gekommen. Noch etwas zu den deutschsprachigen Oscars. Auch der für den besten Schauspieler in diesem Jahr, der für Daniel Day-Lewis, ist ein deutscher Oscar. Wie auch der für Jennifer Lawrence und Anne Hathaway. Wenn man die hierzulande im Kino sieht, sprechen sie alle durch die Bank hervorragend Deutsch.

Die Oscar-Gewinner 2013
Christoph Waltz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: afp
25.02.2013 12:36Christoph Waltz.

18 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben