CITY Lights : Das Tier in dir

Silvia Hallensleben wandelt auf Katzenpfotenspuren. Die Vierbeiner sind eher selten zum Filmtier auserkoren.

Silvia Hallensleben

Werwölfe, Vampire und Pferde (Western) haben im Kino ihr eigenes Genre. Nur die Katze ist selbst im Vergleich zu Eisbären oder Spinnen ein erstaunlich seltenes Filmtier, wenn man die künstlich animierten Varianten ausnimmt. Vielleicht liegt das ja an der dressurrenitenten Konstitution der Gattung, die sich nur mit technischer Trickserei oder schlichtester Katzenpsychologie überlisten lässt. So nutzt auch die nächtliche Katzenfütterepisode zu Beginn von Robert Altmans Der Tod kennt keine Wiederkehr geschickt natürliches Bettel- und Maunzverhalten zu einer komödiantischen Hochseilnummer, bei der das ebenso hungrige wie markenfetischistische Tier bis zum Ende Starrsinn und Stolz beweisen darf. Doch auch während der katzenlosen restlichen 97 Minuten ist Altmans Chandler-Adaption aus dem Jahr 1973 mit Elliot Gould als kettenrauchendem Marlowe ein Hochgenuss. Die Brotfabrik spielt den Film zum 50. Todestag von Raymond Chandler bis Sonntag – leider! – in der deutschen Fassung.

Für seine Katzenintro könnte sich Altman bei Vier im roten Kreis (1970, Filmkunst 66 am Sonnabend) inspiriert haben, wo der Inspektor in seiner Pariser Junggesellenbude drei edel aussehende Persianerinnen mit Futter befriedigt. Auffällig ist jedenfalls die Namensähnlichkeit zwischen der von Marlowes Mieze bevorzugten Sorte (Coury''s) und dem Rollennamen von Delon (Corey) in Jean-Pierre Melvilles Film. Wie Altman/Goulds traumwandelnder Marlowe scheinen auch Melvilles Helden aus der Zeit gefallen und vertreten einen altmodisch anmutenden Freundschaftskodex. Eine großartige – teilanimierte – Tierszene versammelt ein Bestiarium mit Riesenspinnen, Echsen und Ratten, bevor Yves Montand per Telefon zu seinem letzten Auftrag als Präzisionsschütze geweckt wird.

Der blonde Killer Echo mit Krummsäbel, der in Philip Savilles The Fruit Machine (1988) von Bruce Payne gegeben wird, lässt sich trotz der furchteinflößenden Emblematik nicht richtig ernst nehmen. Schauspielerführung und Dialoge sind ebenso missraten wie die Verbindung von romantischen und Thrillerelementen. „The Fruit Machine“ (heute in der Kulturbrauerei) ist – neben Williams Friedkins The Boys in the Band (1970) – einer der beiden Filme, die beim „Verzaubert – Queer Filmfestival“ für den Rückblick in schwul-lesbische Filmgeschichte stehen. Tiere gibt es auch: Delfine. Keine Frage: Den großen Preis für den kitschigsten Flipper-Erben würde „The Fruit Machine“ sofort bekommen.

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