CITY Lights : Ein schöner Rücken

Frank Noack fahndet nach den Geburtsurkunden gewisser Diven

Frank Noack

Manche Stars sind selber schuld, wenn ihnen niemand zu einem runden Geburtstag gratuliert. Warum verraten sie auch nicht das richtige Jahr? Bette Davis scheint tatsächlich am 5. April 1908 zur Welt gekommen zu sein, jedenfalls wurde bislang kein anderes Datum vorgeschlagen. Wer jedoch am 23. März ihrer Erzrivalin Joan Crawford zum 100. gratuliert hat, ist nicht auf dem neuesten Forschungsstand. 1908 ist die Kirche abgebrannt, in der ihre Geburtsurkunde aufbewahrt wurde; was also lag näher, als sich ein Datum kurz vor dem Brand auszusuchen? Zu dumm, dass ihre Mutter 1910 ein Formular ausgefüllt hat, in dem von einer bereits fünfjährigen Tochter die Rede war. Bald weiß man vielleicht auch, an welchem 17. März Brigitte Helm geboren wurde – 1906 oder 1908. Demnächst erscheint – im Belleville Verlag – eine Biografie, deren Verfasser mit Angehörigen des „Metropolis“-Stars gesprochen hat. Ob er ihre Geburtsurkunde sehen durfte?

Ihren Abschied von der Leinwand hat Brigitte Schittenhelm, so der unglamouröse bürgerliche Name, bereits 1935 genommen. Aus politischen Gründen, sagen die einen; böse Zungen verweisen auf mangelndes Talent. Aber sie konnte hinreißend sein, besonders unter der Regie von G. W. Pabst. Der Mann, dem sich Asta Nielsen, Greta Garbo und Louise Brooks anvertraut hatten, drehte 1928 mit ihr das Eifersuchtsdrama Abwege (Sonntag im Arsenal), das die Regeln des Genres auf den Kopf stellt. Die Geschichte einer sexuell frustrierten Ehefrau endet nicht mit Mord oder Selbstmord, und Pabst-Bewunderer vermissten Themen wie Krieg und Psychoanalyse. Dabei ist Pabst eine Psychostudie gelungen, deren Modernität sich heute viel besser würdigen lässt. Auf ein Markenzeichen hat Brigitte Helm auch hier nicht verzichten wollen: Sie trug gerne rückenfreie Kleider. Und bei ihr ging der Rücken tiefer als bei anderen Frauen.

La Jana hat weder aus ihrem Alter noch aus ihrem bürgerlichen Namen ein Geheimnis gemacht: 1905 wurde sie als Henriette Hiebl geboren. Rätselhaft aber bleibt, wie man dieser unbeholfenen Sprecherin Hauptrollen in Tonfilmen anvertrauen konnte. Aber sie war schön! Und sie konnte zwar nicht tanzen, aber sich verbiegen! Sie ist Hauptattraktion des Revuefilms Es leuchten die Sterne (1938), der aus der Perspektive einer Kleinstädterin einen Blick hinter die Kulissen der Tobis-Ateliers wirft (Mittwoch in den Eva-Lichtspielen). La Janas Rolle? Überhaupt keine. Aber für sie wurden ein paar Solonummern eingebaut. Und um von ihren Unzulänglichkeiten abzulenken, veranstaltete Kameramann Georg Krause – Stanley Kubrick holte ihn später für „Wege zum Ruhm“ – virtuose Licht- und Schattenspiele.

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