CITY Lights : Fein & klein

Silvia Hallensleben freut sich auf Festivals, die wenig Getöse machen

Silvia Hallensleben

Für Cineasten ist das fsk-Kino in Kreuzberg unverzichtbar. Weniger sichtbar ist ein anderes Betätigungsfeld der Kinomacher. Seit 1997 verleihen sie unter dem programmatischen Namen „Peripher“ Filme, „für deren Inhalt, Absicht und Form es sich lohnt, Risiken einzugehen und Arbeit zu investieren“, schreiben die sechs vom Oranienplatz. Arbeit, die sich ökonomisch kaum auszahlt. Filme, die sonst kaum ins Kino fänden. 47 sind es mittlerweile, darunter viele französische und deutsche – Rosetta (Dienstag zu sehen) von den Brüdern Dardenne war mit 10 000 Zuschauern der bisher größte Erfolg. Zum Zehnjahres-Jubiläum werden nun 14 der Filme noch einmal vorgestellt, darunter Thomas Arslans Dealer (Sonntag) und Angela Schanelecs Mein langsames Leben (Mittwoch; mehr unter wwww.peripherfilm.de). Eröffnungsfilm ist heute mit Double Happiness von Mina Shum einer der ersten Peripher-Filme, der mit viel Selbstironie von der Emanzipation einer chinesisch-kanadischen Einwanderertochter erzählt. Aus heutiger Sicht lässt sich der 1994 entstandene autobiografisch geprägte Film als authentische Frühvariante eines Subsubgenres sehen, das spätestens mit „My Big Fat Greek Wedding“ industrieller Routineproduktion erlag: die romantische Komödie im minoritäts-kulturellen Gewand.

Mina Shums Hauptdarstellerin Sandra Oh ist Koreanerin, muss aber im Kino meist Chinesinnen geben. Panasiatische Verschwisterung im großen Stil betreiben die koreanischen Organisatorinnen des Asian Women’s Film Festival im Arsenal. Ein bisschen größenwahnsinnig ist die Idee schon, Filmemacherinnen aus China, Japan, Korea und Malaysia unter einem Etikett zu vereinen. Auch das viertägige Programm selbst ist extrem dicht bepackt – neben Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen sind fünf Werke koreanischer Regisseure aus den 50er- und 60er-Jahren zu sehen, bei denen die frauliche Mitwirkung sich auf die Darstellung von Witwen, Töchtern und Prostituierten beschränkt. Doch gerade diese Klassiker sind der Höhepunkt des kleinen Festivals – nicht nur, weil die aus dem Korean Film Archive nach Berlin geholten Kopien in Deutschland bisher nicht zu sehen waren. Sie erzählen von sozialen und kulturellen Umbrüchen: Madame Freedom von Hyeong-Mo Han (heute Nachmittag) lässt eine Professorengattin die Freuden großstädtischen Nachtlebens entdecken; Hyun-Mok Yus The Daughters of Pharmacist Kim (Sonntag) spielt 1963 an vier Töchtern kritisch moderne und traditionelle Lebensformen durch (www.asianwomensfilm.de). Heute stehen viele Frauen selbst hinter der Kamera – und drehen andere Filme als Männer. Die Konflikte aber, von denen sie erzählen, haben sich in dem halben Jahrhundert kaum verändert.

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