CITY Lights : Glanz und Glibber

Silvia Hallensleben besichtigt lüsterne Frauenjäger

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Seit Jahren bringen die Enthusiasten Philipp Stiasny und Jürgen Dittrich unter der Marke „Freunde des schrägen Films“ beharrlich Kinofundstücke aus den Billig-Abteilungen des letzten Jahrhunderts ins Babylon-Mitte. Filme, die neben ihrem zeitlos trashigen Charme mitunter überraschend aktuell wirken. So Irvin S. Yeaworths Horror-Monster-Klassiker The Blob (Mittwoch) aus dem Jahr 1958, der nach dem genreüblichen Plot um ein von Außerirdischen bedrohtes amerikanisches Kleinstadtleben ausgerechnet mit dem irdischen Angstszenario schmelzenden arktischen Eises endet. Zum Nordpol hat ein Militärtransporter die ätzende rote Glibbermasse verfrachtet, die eines Tages per Meteorit ins idyllische Downingtown hereinbrach und sich danach weder durch Gewehrschüsse noch Salzsäure in ihrem Schreckenszug stoppen ließ. Männlicher Held ist Steve McQueen, der als Endzwanziger einen etwas angealterten Teenager gibt: Den Meteoritenfall beobachtet er bei einem romantischen Car Date, aber lange glaubt ihm niemand. Heute lassen sich die visionären Qualitäten dieses vorzeitigen Ökoschockers goutieren; damals hätte man den durch Türschwellen und Klimaanlagen einsickernden Wackelpudding wohl als kommunistisch „rote Gefahr“ gedeutet oder gar psychoanalytisch als die sexuelle Bedrohung durch das Urweibliche.

Raumgreifende Weiblichkeit gibt es reichlich in einem Werk, das mit der Figur des Dr. Fritz Wolfgang Sigismund Fassbender eine der gehässigsten Psychoanalytiker-Darstellungen der Filmgeschichte bietet: Peter Sellers gibt den patientinnengeilen Maniker mit den Verhaltensauffälligkeiten von Groucho Marx und dem Aussehen von Ringo Starr. Clive Donners What’s New Pussycat entführt das Publikum nur sieben Jahre nach „The Blob“ in ein Universum, das bis auf den ebenfalls von Burt Bacharach komponierten Titelsong Galaxien vom pennsylvanischen Downingtown entfernt scheint. Es ist ein mit montmartrischen Gassen und Crazy-Horse-Atmosphäre ausgestattetes Studio-Paris. Bevölkert wird es neben einem halben Dutzend flirtwilliger junger Damen von einer männlichen Dreifaltigkeit, in der neben dem hornbebrillten Psychiater zwei weitere Frauenjäger ihr Unwesen treiben: der schöne Michael (Peter O’Toole) und Victor Shakapopulis (Woody Allen), in dem der Auch-Drehbuchautor Allen deutlich Merkmale seiner späteren Filmpersona anlegt. Alles dreht sich um Sex und Lustgewinn aus vornehmlich männlicher Perspektive; die Heiratssehnsucht der Hauptheldin Carol (Romy Schneider) scheint nur noch filmkonventionelles Zitat. Der Film (Mittwoch in der Romy-Reihe im Arsenal) lässt die Darstellerin ausgiebig in komödiantischer Artistik brillieren, einem in ihrem Portfolio eher seltenen Fach.

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