CITY Lights : Hoch die Kassen!

Silvia Hallensleben feiert Berliner Kinogeburtstage

Silvia Hallensleben

Als "Berlins höchstes Kino" wird das Sputnik am Südstern auf der eigenen Website beworben. Der Haken dabei: Die Zuschauer müssen zu Fuß in den 5. Stock des Hinterhofkinos hinaufschnaufen. Außerdem hätte das Etablissement mit seinen gemauerten Backsteinsitzlandschaften auch gute Chancen auf den Lorbeer als "Berlins rückenfeindlichstes Kino". Doch genug des Schmähs: Trotz dieser Malaisen zumindest im großen Saal - der kleine versöhnt mit Sofalandschaften - ist das ehemalige Kollektivkino immer noch eine der attraktivsten Cineastenadressen Berlins. Jetzt feiert man 20. Geburtstag, mit einer schön eklektizistisch zusammengestellten Tour durch drei Jahrzehnte Filmgeschichte. Die legendäre Raumpatrouille Orion von 1966 (Folgen 1-3 am Freitag und Sonnabend) dürften die heutigen Sputnizisten allerdings erst in den mittleren Achtzigern kennengelernt haben: eine Folge der Wiederaufführung der TV-Serie bei der Berlinale-Retro 1985, damals noch im intimen Astor-Kino am Ku'damm, wo heute ein Hosenladen residiert. Am Sonnabend gibt es mit Themroc (1973) Claude Faraldos Post-68er-Fantasie über die Revolte als regressive Utopie: Das Bild des Revoluzzers als grunzender Höhlenmensch (Michel Piccoli) dürfte heute durchaus kritisch gelesen werden. Damals fütterte Piccolis kreatürlicher Ausbruch vor allem postpubertäre Befreiungsfantasien.

Freitag im Spätprogramm gibt es im Sputnik einen Kurzfilmabend mit frühen Super-8-Filmen von Jörg Buttgereit, einem heute als gereifter Trash-Kultfilmer gefeierten Postpubertisten: Der wird jetzt auch schon 40 und deshalb im Central mit einer Hommage gefeiert, das am Mittwoch Nekromantik 2 (1991) auf die Leinwand bringt. Die Dreiecksgeschichte um eine nekrophile Krankenschwester und einen Pornofilm-Sprecher verbindet eine behäbig erzählte Lovestory mit ausgiebigen Ekelszenen und einem Ende, das unter Splatter-Afficionados als genialisch gehandelt wird.

Das Filmkunst 66 hat 1995 nach Komplettumbau neu eröffnet. Auch wenn die Eckkino-Atmosphäre auf der Strecke geblieben ist, spricht das Haus heute mit einem ambitionierten Programm erfolgreich das Charlottenburger Publikum an. Nun wird auch hier ein Jubiläum begangen: Zum 25. des auf Filmbücher spezialisierten Alexander Verlages gibt es im Wochenrhythmus Lesungen und Filme. Zum Auftakt am Sonnabend führt Verlagsleiter Alexander Wewerka selbst in das Programm ein. Danach gibt es mit Ingmar Bergmans Das Lächeln einer Sommernacht (1955) eine romantische Komödie, die es an dunklen Einsichten in die menschliche Natur mit Buttgereit durchaus aufnehmen kann. Nur sehen bei Bergman besonders die Herren der Schöpfung ziemlich erbärmlich aus.

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