CITY Lights : Katz, Maus, Filzlaus

Silvia Hallensleben ehrt Schauspieler, die Komödien können

Silvia Hallensleben

Während für das Publikum Kino vor allem über die Darsteller funktioniert, sind Schauspieler-Würdigungen in Berliner Programmkinos eher selten. Bei Retrospektiven und Filmreihen ist es meist die Regie, die interessiert. Eine punktuelle Ausnahme macht jetzt das Central-Kino, das am Montag den vor zwanzig Jahren verstorbenen Lino Ventura mit drei der insgesamt über 80 Filme ehrt. Neben Gilles Grangiers „Die Nacht bricht an“ und Robert Enricos „Die Abenteurer“ steht dabei ein Komödienklassiker auf dem Programm, der Ventura als Parodeur seiner eigenen Paraderolle als wortkarger Gangstermacho zeigt. Die Filzlaus ist der deutsche Verleihtitel von Edouardo Molinaros Kriminalkomödie „L’Emmerdeur“ (1973), die einen Profikiller unfreiwillig in die Verwicklungen eines Ehealltagsdramas bugsiert. Während Monsieur Milan in seinem Hotelzimmer gerade sein Präzisionsgewehr in Anschlag bringen will, versucht im Nebenraum der von seiner Ehefrau verlassene Hemdenvertreter Pignon (Jacques Brel), sich an der Wasserleitung zu erhängen. Natürlich erfolglos. Neben Pignons redseliger Larmoyanz muss der ehemalige Profiringer nicht viel mehr tun, als stoisch sein markantes Gesicht vor die Kamera zu halten. Der später von Billy Wilder mit Lemmon und Matthau reinszenierte Film ist auch ein Parforce-Ritt mit rasanten Verfolgungsfahrten und Prügeleien. Dazu wartet die deutsche Synchronfassung mit der Stimme von Arnold Marquis mit zahlreichen albernen Dialogzeilen auf, die dem französischen Original aus Lust und Laune hinzugedichtet wurden. Da wird aus einem schlichtem „fusile“ schnell mal ein „Ballermann“ und auch die Filzlaus kommt unverhofft ins deutsche Gerede.

Von deutschen Akteuren ist derzeit Matthias Brandt in aller Munde. Dass auch die beiden anderen Söhne von Willy und Rut Brandt sich als Schauspieler versuchten, ist weniger bekannt. Allerdings beschränkt sich die Kino-Karriere des heutigen Geschichtsprofessors Peter Brandt auf zwei, die von Bruder Lars auf einen einzigen Film: Hansjürgen Pohlands Katz und Maus von 1966. Außer den Brüdern Brandt waren Wolfgang Neuss und Ingrid von Bergen mit von der Partie bei der Grass-Verfilmung, die damals bei deutschen Konservativen Verbotsfantasien provozierte. Aus gegebenem Anlass kommt der Film ab heute im Filmkunst 66 und in den Hackeschen Höfen wieder auf die Leinwand.

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