CITY Lights : Madonnen und Ikonen

Madonna, Catherine Deneuve und Faye Dunaway: Frank Noack besichtigt drei blonde Weltstars.

Frank Noack

Dieser Tage ist es kaum möglich, eine Zeitung durchzublättern, ohne auf den Namen Madonna zu stoßen: aber ja, ihr Fünfzigster, am Sonnabend! Nur die Programmkinos sind nicht vom MadonnaFieber ergriffen. War ihre Filmkarriere so bedeutungslos? Nun, als Hauptdarstellerin hat sie meist keine gute Figur gemacht. Als Actionheldin hat sie sich – trotz ihres beeindruckenden Bizeps – nie versucht. Besser war sie als kumpelhafte Nebendarstellerin. Und dann sind da die faszinierenden Musikvideos: Warum zählen die nicht als Filme? Für „Express Yourself“, „Oh Father“ und „Vogue“ führte immerhin David Fincher Regie, einer der großen Visionäre des Kinos.

Madonna kommt zwar in Dick Tracy (1990) vor, aber das ist nicht etwa als Hommage zu verstehen. Waren Beattys Stilübung läuft (Dienstag, Babylon Mitte) im Rahmen des Comicfilm-Festivals „Amazing Stories“. Der Film atmet totale Künstlichkeit mit wenigen, grellen Farben – und Madonna konnte darin als überschminkte Femme Fatale nichts falsch machen. Gesungen hat sie auch: „Sooner or Later“ von Stephen Sondheim.

Madonna, die sich an so vielen Vorbildern orientiert hat, sollte sich ein Beispiel an der Gelassenheit von Catherine Deneuve nehmen. Im Oktober feiert sie ihren 65. Geburtstag – eine Frau, die gewiss nicht jeden Morgen joggt und Hanteln stemmt, um ihre Jugend zu bewahren. Und dennoch stehen die Regisseure immer noch bei ihr Schlange. Der erste bedeutende Filmemacher, der ihr eine Chance gab, war Jacques Demy mit Die Regenschirme von Cherbourg (1964). Darin wurde jeder Satz, selbst „Einmal volltanken!“, gesungen (Freitag im Arsenal). Weil Demy großen Wert auf rosa Häuser legte und es noch keine Computeranimation gab, mussten ganze Straßenzüge von Cherbourg rosa angestrichen werden. Und der Titel? Deneuve spielte eine junge Frau, die im Regenschirm-Geschäft ihrer Mutter aushilft.

Zwei Jahre älter als Deneuve, leider nicht mit einer so strahlenden Alterskarriere gesegnet, ist Faye Dunaway. Die kühle Blonde hat es nie verkraftet, dass ihr Joan-Crawford-Biopic „Meine liebe Rabenmutter“ unfreiwillig ein CampKlassiker geworden und ihr berühmtester Dialogsatz „Keine Drahtbügel!“ geblieben ist. Dabei war sie schon vorher auf militante Über-Frauen festgelegt. Mit Bonnie und Clyde (1967) setzte sie Maßstäbe in Sachen Gewalt und – Styling (Dienstag, Freiluftkino Schwarzenberg). Anders als die echte, ziemlich prollige Bonnie Parker trug Dunaway modische Kleider und Hüte, die den Chic der dreißiger mit dem der sechziger Jahre verbanden. Nachbarbeschwerden wegen Lärmbelästigung sind hochwahrscheinlich: In Arthur Penns Film sprechen bekanntlich vor allem die Schießeisen.

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