CITY Lights : Propaganda und Pomade

Generell hinterlässt die Anti-Nazi-Propaganda Hollywoods einen besseren Eindruck als die Propaganda gegen Japan. Frank Noack blickt in den ganz fernen Osten.

Frank Noack

Propagandafilme altern in der Regel schlecht. Das liegt in der Natur: Sie werden für den Augenblick gedreht, nicht für die Ewigkeit; sie müssen hier und jetzt wirken. Den Feind verstehen kann man später, wenn er am Boden liegt. Wenn ein Propagandafilm allerdings gut altert, so wie „Der große Diktator“, „Sein oder Nichtsein“ und „Casablanca“, dann möchte man ihn gar nicht als solchen bezeichnen.

Generell hinterlässt die Anti-Nazi-Propaganda Hollywoods einen besseren Eindruck als die Propaganda gegen Japan. In den Anti-Nazi-Filmen wurde politisch argumentiert. Die Propaganda gegen Japan dagegen war eindeutig rassistisch. Nach Kriegsende bestand keine juristische Grundlage für ein Verbot dieser Filme, aber es spricht für sich, dass sie trotz prominenter Regisseure und Darsteller verschwunden sind – aus den Programmkinos wie aus den DVD-Regalen: eine Art Zensur des guten Geschmacks.

Eine rühmliche Ausnahme im Rahmen dieses Genres ist John Huston zu verdanken. Nach seinem erfolgreichen Debüt mit dem Detektivfilm-Klassiker „Die Spur des Falken“ umgab er sich mit demselben Team für Abenteuer in Panama (1942), in dem Humphrey Bogart als Doppelagent die Kriegspläne der Japaner aufdeckt (Mittwoch im Lichtblick). Ungewöhnlich an diesem Action- und Spionagefilm sind die leichte Hand, mit der er angesichts des Pearl-Harbor-Traumas inszeniert, das bedingte Verständnis für die japanische Kultur, und die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Mary Astor: 36 Jahre wurden bei einer Frau damals anders berechnet als heute, und mit ihrer Kurzhaarfrisur wirkte sie noch reifer. Alles in allem ein bemerkenswertes, amüsantes Nebenwerk für Bogart und seinen Lieblingsregisseur.

Wenn nicht gerade Krieg geführt wurde, betrachteten westliche Filmemacher den fernen Osten als Kulisse für fiebrig-exotische Melodramen. Fiebrig im doppelten Sinne: Der bunte Schleier handelt von einem Bakteriologen, der seine untreue Ehefrau zwingt, ihn in ein Choleragebiet in China zu begleiten. Weigert sie sich, wird er sie öffentlich bloßstellen. Der Roman von W. Somerset Maugham ist bereits 1934 mit Greta Garbo verfilmt worden. John Curran brachte seine Version 2006 in die Kinos. Alle Zutaten stimmten: Naomi Watts und Edward Norton in den Hauptrollen, dazu eine Werbekampagne, die sich an die durchaus voluminöse „Englische Patient“-Zielgruppe richtete. Vergeblich. Nur die Musik von Alexandre Desplat verkaufte sich gut und gewann einen Golden Globe (Montag im Filmkunst 66).

Immerhin hat der Film durch sein Scheitern Verteidiger gefunden. Er wird im Rahmen des Independent Filmfestivals gezeigt (Tagesspiegel vom 9. Juli). Hier ist auch Gregor Jordans Two Hands (1999) zu sehen, ein australischer Gangsterfilm im Quentin-Tarantino-Guy-Ritchie-Stil, durch den Hollywood auf Heath Ledger aufmerksam wurde (Donnerstag im Filmkunst 66). Mit seinen 19 Jahren strahlt Ledger eine erstaunliche Reife aus. Er verkörpert einen Türsteher vor einem Strip-Lokal, der sozial aufsteigen möchte und sich bei einem Gangsterboss (Bryan Brown) als Geldbote bewirbt.

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