CITY Lights : Suppe und Schmarrn

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Die Sloppy Joe’s Bar in der Elisabethkirchstraße in Mitte ist eigentlich für ihr nostalgie-kubanistisches Programm bekannt. Zum Frühlingsbeginn aber setzt das Team um Florian Borchmeyer mit seinem „Gaumenkino“ mal auf Zentraleuropäisches. So gibt es morgen abend ein sogenanntes austro-poetisches Festmahl, dessen kulinarischen Teil der österreichische Chefkoch stilecht mit einer Frittatensuppe beginnen lässt, der Wiener Saftgulasch und Kaiserschmarrn folgen. Das cineastische Begleitprogramm bestreitet ein ungewöhnlich frisches Literatinnen-Porträt, das mit der üblichen bildungsbürgerlichen TV-Mischkost aus Archiv- und Interviewschnipseln nichts gemein hat. Das Schweigen & das Schreiben ist (nach „1 Häufchen Blume 1 Häufchen Schuh“, 1990) schon der zweite Film, den die Südtiroler Regisseurin Carmen Tartarotti der Dichterin Friedrike Mayröcker widmet. Schwesterliche Kumpanei ist hier – zum Glück! – dennoch kaum zu finden. Höflich, doch sichtbar widerwillig räumt die Autorin der Filmemacherin ein winziges Eckchen auf einem der vielen überhäuften Tische ihrer Wiener Altbauwohnung zum Aufstellen der Aufnahmetechnik frei. Drumherum ein gewaltig wucherndes Papiergebirge, vor Jahren beträchtlich erhöht und verdichtet im nächsten Stock durch die Etage von Ernst Jandl, Mayröckers verstorbenem Lebensgefährten. Die Verse werden von der Autorin mit zielsicherem Griff aus Plastikwaschkörben voller Schnipsel gezogen. Als Schreibwerkzeug dient eine Kofferschreibmaschine des legendären Typs Hermes Baby, von dem die 84-jährige zur Sicherheit zwei Exemplare in Reserve hält: das richtige Gerät für eine Autorin, die sich für die Produktion von Poesie statt fürs Kinderkriegen entschieden hat. Reservierungen bitte noch heute unter Telefon 23132629 für 19,50 Euro (ohne Wein) oder 24,50 Euro (mit).

Eher rustikale Gaumenfreuden zu großkantinesken Preisen bietet das von Joe nicht allzu weit entfernte Lichtblick in der Kastanienallee an. Unter der zünftigen Kampfparole „Donner gegen Tag“ lassen sich dort donnerstags gleich zwei Spielfilme mit Pausensuppe für insgesamt acht Euro verzehren. Heute stehen mit Louis Malles Viva Maria! (1965) und Arthur Penns Missouri Breaks (1975) zwei schillernde Klassiker des historisierenden Großschauspielerkinos auf dem Speisezettel: Brando, Bardot, Moreau und Nicholson an einem einzigen Abend! Da darf die Suppe ruhig anbrennen.

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