CITY Lights : Unter die Haut

Silvia Hallensleben findet den neuen Ballhaus im philippinischen Kino

Silvia Hallensleben

Das jüngste Berlinale-Forum führte die auf internationalen Festivals gefeierte Blüte eines neuen philippinischen Kinos auch dem Berliner Publikum vor Augen. Es ist ein engagiertes Kino, das die begrenzten technischen Mittel zum Programm macht. Seine Regisseure produzieren ohne dicke Budgets und europäische Koproduktionspartner Filme, die unter die Haut gehen. Ihre Stoffe finden sie im Alltag, gedreht wird vornehmlich mit der Handkamera. Auch Jeffrey Jeturians Kubrador / The Bet Collector kommt daher wie unmittelbar dem Leben abgelauscht, doch die Kamerafahrten sind so ausgeklügelt inszeniert wie manche Studioproduktion. Die lange Eröffnungssequenz von „Kubrador“, die durch viele Ecken und Winkel vom Straßengewühl in ein heimliches Wettbüro führt, könnte glatt von Michael Ballhaus stammen, wären die Hütten nicht so schäbig.

Jeturians Heldin Amy ist eine Matrone, die als Lotteriemaklerin durch ihr Viertel zieht, um das Brot für Kinder und Enkelkinder zu verdienen. Ein harter Job: Kunden müssen bedient und besänftigt werden, Hintermänner und Polizisten fordern ihren Anteil vom Gewinn. Und Amys Gesundheit ist angeschlagen. Am Mittwoch ist der vielfach preisgekrönte Film im Babylon-Mitte in einer Reihe internationaler Filmpremieren zu sehen, die unter dem Titel „debut.critic.de“ in lockerer monatlicher Folge mit anschließendem Filmgespräch vorgestellt werden.

Mit einer gleitend montierten WasserFahrt beginnt Unter den Brücken. Allein die in zarten Dunst getauchten havelländischen Wasserlandschaften und die hinreißende Lichtdramaturgie sorgten dafür, dass Helmut Käutners Film als Beispiel eines Poetischen Realismus in die Filmgeschichte einging. Am Mittwoch ist er im Zeughaus als Teil einer Hommage an den Filmpoeten zu sehen, der am Dienstag 100 Jahre alt geworden wäre. Auch die Akademie der Künste ehrt Käutner zu seinem Geburtstag mit einem Dokumentarfilm, den Akademie-Stipendiat Marcel Neudeck zum Jubiläum realisiert hat. „Wer ist Helmut Käutner? Versuch einer Annäherung“ wird Dienstag im Studio am Hanseatenweg vorgeführt, gefolgt von einem Gespräch mit Neudeck und Käutner-Darsteller Hardy Krüger. Der feiert übrigens im April auch einen runden Geburtstag. Am 12. wird er 80.

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