CITY Lights : Verlorene Welt

Silvia Hallensleben sucht im Kino nach Alternativen

Silvia Hallensleben

Die einstürzenden Kreditpyramiden bringen die Debatte um das Weltwirtschaftssystem auf neues Niveau. Das schlägt Wellen bis ins Kino und verschafft auch dem Ende Oktober anlaufenden Let's make Money von Ernst Wagenhofer für einen Dokumentarfilm unübliche mediale Aufmerksamkeit. Ein Ergebnis ist eine Preview mit Podiumsdiskussion Sonntagnachmittag in der Kulturbrauerei. Das ist gut so, soll hier aber Anlass sein für den Hinweis auf Veranstaltungen wie One World oder die Globale, die seit Jahren Filme mit ähnlicher Thematik präsentieren. Die gestern im Moviemento eröffnete Globale bemüht sich, denen eine Stimme zu geben, die praktische Alternativen leben: So ist Corazón de Fábrica von Ernesto Ardito und Virna Molina (heute) einer von zwei Filmen, die Beispiele der Selbstverwaltung bankrotter Betriebe in Argentinien porträtieren. Aus Oaxaca, wo 2001 Lehrerinnen und Lehrer im Bündnis mit indigenen Gemeinden den Sturz des korrupten Provinzgouverneurs versuchten, kommt Un poquito de tanta verdad (auch heute), eine Dokumentation, die zeigt, welche Bedeutung die mediale Vernetzung bei den Kämpfen einnahm. Das von den GlobaleVeranstaltern deklarierte Ziel, ein Publikum jenseits der „bereits Bekehrten“ zu erreichen, dürfte dieses Jahr durch die Aktualität erleichtert werden. Hilfreich auch, dass zehn Filme ab Montag im Offenen Kanal wiederholt werden.

Vom Mexiko nach Asien und zu einem Film, der dem Filmwissenschaftler HansJoachim Schlegel als „der wichtigste Film über Tschetschenien“ gilt. Der Stummfilm Elisso (1928) von Nikoloz Tschengelaja vereinigt semi-dokumentarische Inszenierung mit der dramatischen Geschichte um den Widerstand tschetschenischer Dörfler gegen die Vertreibung durch zaristische Truppen. Heute Abend im Kino Krokodil wird der Film auf dem Flügel von Jürgen Kurz begleitet.

Auch die Stummfilmkonzerte von Stephan von Bothmer gehen mit Lotte Reinigers Die Abenteuer des Prinzen Achmed (Sonntag) und Harry Hoyts lange verschollenem Dino-Drama The Lost World (Dienstag) in eine neue Runde. Zweimal zauberhafte Animation: Reinigers filigrane Scherenschnitte verführen auch nach über achtzig Jahren zu 1001-NachtTräumerei. Auch das fast zur gleichen Zeit von Harry Hoyt ersonnene Bestiarium hat bis heute Bestand.

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