Comicverfilmung : Rentner sind die besseren Helden

Altagenten nehmen Rache: Die Actionkomödie "R.E.D." zeigt, dass Rentner bessere Helden sind.

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Pensioniert und extrem gefährlich. Bruce Willis, John Malkovich und Helen Mirren im Gefecht. Foto: Concorde
Pensioniert und extrem gefährlich. Bruce Willis, John Malkovich und Helen Mirren im Gefecht. Foto: Concorde

Agenten altern nicht. Sie gehen auch nicht in Rente. Jedenfalls nicht im Kino. James Bond rettet nun schon seit fast fünfzig Jahren immer wieder die Welt, wirkt dabei aber noch genauso jugendlich und drahtig wie am Anfang. Sobald sich erste Falten oder graue Haare zeigen, wird der Darsteller ausgewechselt. Die Actionkomödie „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ zeigt nun erstmals, wie ein Agentenleben im Ruhestand weitergeht: ziemlich erbärmlich. Am Anfang sieht man Bruce Willis, der als pensionierter CIA-Mitarbeiter Frank Moses ein überaus beschauliches Dasein fristet. Er lebt in einem karg eingerichteten Vororthäuschen, steht morgens um sechs auf, kocht sich Kaffee oder auch mal eine Suppe und weiß ansonsten wenig mit sich anzufangen. Höhepunkt seines Tagesablaufs sind die wortkargen Flirts, die er mit einer von Marie-Louise Parker gespielten Telefonistin seiner Renten-Hotline führt. „Waren Sie schon mal in Chile?“, fragt sie. – „Ja.“ – „Wie sieht es da aus?“ – „Berge.“

Aber wir befinden uns in einem Actionfilm, deshalb steht glücklicherweise bald Moses’ Vergangenheit in Form eines Killerkommandos vor seiner Tür. Die Killer zerlegen das Haus mit ihren Maschinenpistolen, er wartet im Keller und regelt anschließend die Sache mit ein paar gezielten Faustschlägen. Moses soll aus dem Weg geräumt werden, weil er zu viel über die Vergangenheit eines Politikers weiß. Die Verschwörung gegen ihn reicht bis ins Weiße Haus. Der Altagent nimmt die Verfolgung seiner Verfolger auf und entführt erst einmal die Telefonistin, deren Leben ebenfalls bedroht ist. „Warum gerate ich bloß immer an Loser?!“, jammert sie, er fesselt und knebelt sie und schwärmt dann: „Deine Augen sind wunderschön.“ Natürlich verlieben sie sich ineinander.

Für seinen Rachefeldzug reaktiviert Moses ein paar alte Agentenfreunde, die sich im Ruhestand langweilen. Joe Matheson (Morgan Freeman) hockt im Altersheim vor dem Fernseher. Marvin Boggs (John Malkovich), ein Paranoiker und Technikfreak, hat sich in einer unterirdischen Festung in den Everglades vergraben. Und Victoria (Helen Mirren), die im Kalten Krieg in Diensten des britischen MI6 stand, widmet sich auf ihrem herrschaftlichen Anwesen der Gartenarbeit, hat dabei aber immer eine Pistole in der Schürze. Gemeinsam sind sie unschlagbar. Die Gegenseite wird verkörpert vom CIA-Agenten Cooper (Karl Urban), einem öligen Yuppie, und seiner eiskalten Chefin (Rebecca Pidgeon). Jung gegen alt – ein klassischer Konflikt. Die Bösen besitzen Hubschrauber und Computer. Doch die Guten können auf eine noch bessere Waffe zurückgreifen: ihre Erfahrung.

„R.E.D.“ steht für „retired extremely dangerous“, pensioniert und extrem gefährlich. Die Vorlage des von dem Deutschen Robert Schwentke („Tattoo“, „Flightplan“) inszenierten Films war ein Comic, entsprechend grobstrichig sind die Figuren gezeichnet. Bruce Willis gibt noch einmal den lakonischen Helden der „Die Hard“-Serie. John Malkovich stürzt sich als Psychopath mit Halbglatze lustvoll ins Overacting. Und Helen Mirren demonstriert, dass sie auch in Festgarderobe ein Maschinengewehr überaus elegant zu bedienen weiß. „Hätte nie gedacht, dass uns das passieren könnte“, sagt Freeman. „Erschossen zu werden?“, fragt Willis. – „Nein, alt zu werden.“

Schon mit der Science-Fiction-Komödie „Space Cowboys“, bei der Clint Eastwood, Tommy Lee Jones und Donald Sutherland als Altastronauten ins Weltall geschickt wurden, hatte Hollywood bewiesen, dass Rentner die besseren Helden sein können. „R.E.D.“ ist ein deutlich lauterer und härterer Film, dessen Actionszenen den genreüblichen Klischees folgen. Am besten ist die Komödie immer dann, wenn sich die Schauspieler selbstironisch über die Beschwerlichkeiten des Alters lustig machen. Bruce Willis rastet aus, als ein Gegner ihn „Großvater“ nennt.

In 21 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center. Mehr über die Comicvorlage des Films unter diesem Link.

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