COMICVERFILMUNG„Kick-Ass“ : Ein Frosch gegen die Mafia

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Foto: Universal
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Von einer radioaktiven Spinne gebissen, als Alien auf der Erde gestrandet oder durch eine Gamma- Bombe zum grünen Wüterich mutiert – die handelsübliche Superhelden-Genese ist nicht viel glaubwürdiger als die des Galliers Obelix, der als Kind in einen Kessel Zaubertrank gefallen ist. Dennoch ist das Identifikationspotenzial von Spider-Man und Konsorten gerade für männliche Heranwachsende ungebrochen. Weshalb es fast erstaunlich ist, dass es in der Realität offenbar noch keine Fälle von Superhelden-Anmaßung gegeben hat.

Genau darüber wundert sich auch Comic-Nerd Dave Lizewski (klasse als Anti-Peter Parker: Aaron Johnson, Foto), der schon in seinem Umfeld genügend Fälle von himmelschreiendem Unrecht erkennt, die selbstjustiziables Eingreifen erfordern würden. Wenig später zieht er in froschgrüner Montur um die Häuser, um es als „Kick-Ass“ mit Autodieben und anderen Kriminellen aufzunehmen. Als Held ohne besondere Kräfte überlebt er sein Debüt als Verbrechensbekämpfer indes nur mit Glück.

Doch von Stichwunden und Knochenbrüchen lässt sich der jugendliche Draufgänger nicht bremsen, der bald eine Internet-Fangemeinde hat. Blöd nur, dass der in einer ganz anderen Liga spielende Gangsterboss D’Amico (hinreißend böse: Mark Strong) den Kostümträger aufs Korn nimmt. Ein Schlamassel, in dem unerwartete Hilfe naht: Pseudo-Batman „Big Daddy“ (verspult: Nicolas Cage) und Tochter „Hit-Girl“ (grandios als minderjährige Kampfmaschine: Chloe Moretz) haben mit dem Mafioso noch ein blutiges Hühnchen zu rupfen.

„Kick-Ass“ leistet für Superheldenfilme Ähnliches, was der „Star Trek“-Parodie „Galaxy Quest“ im Science-Fiction-Bereich gelang: Durch die Verankerung des irrwitzigen Plots in einer selbstreferenziellen Plausibilitätsschlaufe (Comicleser bzw. Schauspieler geraten in den fiktiven Kosmos ihres Beschäftigungsfeldes) werden die Mechanismen des Genres aufgezeigt, ohne den Geist zu verraten. So ist „Kick-Ass“ zwar intelligentes Meta-Kino und eine Fundgrube für zitatesuchende Cineasten und Comic-Spezialisten, aber zugleich einer der furiosesten Superheldenfilme überhaupt. In seiner Blutrünstigkeit nimmt es die dritte Regiearbeit des Briten Matthew Vaughn locker mit „Sin City“ und „Kill Bill“ auf, bricht deren unerbittliche Düsternis aber durch doppelbödigen Humor und die unvermeidliche Teenager-Lovestory. Furiose, brutale Superheldensatire.Jörg Wunder

„Kick-Ass“, USA 2010, 117 Min., R: Matthew Vaughn, D: Aaron Johnson, Chloe Moretz

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