Defa-Filme : Empörung über Schlöndorffs Äußerung

Einen Sturm der Entrüstung hat der Regisseur Volker Schlöndorff mit seiner Äußerung "Die Defa-Filme waren furchtbar" ausgelöst. In einem Offenen Brief werfen ihm 120 Regisseure und Schauspieler Unkenntnis und "mangelnden Respekt" vor.

Schlöndorff
In die Nesseln gesetzt: Regisseur Volker Schlöndorff.Foto: dpa

Berlin Zu den Unterzeichnern des von der Defa-Stiftung und dem Progress-Filmverleih verfassten Schreiben gehören Regisseure wie Andreas Dresen und Kurt Maetzig sowie Schauspieler wie Hilmar Thate, Angelica Domröse, Armin Mueller-Stahl, Jutta Hoffmann, Eva-Maria Hagen und Michael Gwisdek.

Oskarpreisträger Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel"), der nach dem Ende der DDR einige Jahre auch Studiochef auf dem früheren Ufa- und Defa-Gelände in Babelsberg war, hatte sich in einem am 2. Dezember von der "Märkischen Allgemeinen" veröffentlichten Gespräch am Rande von Dreharbeiten entsprechend geäußert. Er will das, wie er in einem nachträglichen Leserbrief betont, als "groteske Übertreibung" verstanden wissen.

Ablehung im Westen

Er habe damit die Ablehnung der damaligen Filmemacher des jungen deutschen Films in den 60er Jahren im Westen gemeint, die sich wie er mehr an der Nouvelle Vague des französischen Films orientiert hätten. Erst nach der Wende habe er "großartige Filme" wie "Ich war 19", "Jakob der Lügner" oder "Ecke Schönhauser" kennengelernt. Tatsache sei aber, dass auch diese Filme im Westen seinerzeit nicht angekommen seien, was ihm auch seine Arbeit als Studiochef in Babelsberg nicht erleichtert habe.

In dem Protestbrief wird darauf hingewiesen, dass bis 1990 mehr als 10.000 Defa-Filme entstanden seien, die "heute weltweit geschätzter Teil des deutsch-deutschen Filmerbes" seien. So befänden sich zum Beispiel zehn Defa-Filme auf der Liste der "100 besten Filme aller Zeiten". Die Defa-Kinderfilme zählten zu den besten Kinderfilmen ihrer Zeit. Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) habe den Defa-Filmen eine große Retrospektive gewidmet. Auf der Berlinale seien weit über 130 Defa-Filme gelaufen, von denen fünf mit dem Silbernen Bären und einer mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden seien. (küs/dpa)

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