Deutschlandpremiere : Was vorm Ende übrig bleibt

Hollywoodstars in Berlin: Die Oscar-Preisträger Jack Nicholson und Morgan Freeman sind zur Deutschlandpremiere ihres Films "Das Beste kommt zum Schluss" erschienen.

Andreas Conrad
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Jack Nicholson. Der Oscar-Preisträger bei der Deutschlandpremiere seines neuen Films. -Foto: ddp

BerlinErstaunlich, dass die Location Scouts des hiesigen Premierenwesens das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt weitgehend links liegen lassen. Immerhin, der vorletzte Bond, noch mit Pierce Brosnan, hatte dort rauschende Premiere, und gestern am Nachmittag wurde dort zur Pressekonferenz des Films „Das Beste kommt zum Schluss“ gebeten – mit den beiden Oscarpreisträgern Jack Nicholson und Morgan Freeman in den Hauptrollen, Regisseur Rob Reiner und den beiden Produzenten Craig Zadan und Alan Greisman.

Später sollte sich ein Interview-Marathon im nahen Regent Hotel anschließen, am Abend dann die Premierengala im Cinemaxx am Potsdamer Platz, wo seit Sonntagabend der rote Teppich bereitlag. Voraussichtlich mit Prominenten wie Ingo Appelt, Jeanette Biedermann, Dieter Hoeneß, Oliver Kalkhofe, Götz Otto und Bettina Zimmermann – jedenfalls standen sie auf der Gästeliste.

Im Original heißt der Film „The Bucket List“, abgeleitet von der Redensart „to kick the bucket“, was etwa unserem „den Löffel abgeben“ entspricht. Eine „Löffelliste“ steht also im Mittelpunkt des Films, die Aufstellung all dessen, was man noch machen möchte, bevor man eben den Löffel abgibt. Traurig, wenn man dafür nur noch allenfalls ein halbes Jahr Zeit hat wie der von Freeman gespielte Automechaniker Carter Chambers und der von Nicholson dargestellte Milliardär Edward Cole.

Den beiden älteren Herren ist also anfangs gar nicht zum Lachen zumute, man sollte sich vom deutschen Titel also nicht in die Irre führen lassen: Die Tragödie überwiegt, wird erst im Laufe des Films durch die Komödie ergänzt, nicht aber abgelöst. Denn egal ob man nun noch einmal mit dem Fallschirm abspringt, sich in Traumautos ein Rennen liefert, exotische Reiseziele ansteuert oder was auch immer sonst noch auf der Liste steht – am nahen Ende ist doch Schluss. „Wir behandeln ein ernstes Thema, das Respekt verdient. Gleichzeitig steckt darin eine Menge Komik, und es ist das reine Vergnügen zuzuschauen, wie sich diese beiden großartigen Schauspieler gegenseitig die Bälle zuwerfen“ – so äußert sich Rob Reiner zu seinem Film. Er hatte schon einmal, in dem Militärfilm „Eine Frage der Ehre“ mit Nicholson zusammengearbeitet. An ihn hatte er auch bei der Rolle des Milliardärs Cole gedacht, der entscheidende Anstoß aber kam von dem zuerst ausgewählten Freeman. Das sei eine ausgezeichnete Wahl gewesen, gerade als es um die Feinheiten des Drehbuchs ging. Denn Nicholson sei nicht nur ein grandioser Darsteller, sondern ebenso „ein sehr guter Autor, ein echter Verseschmied“, wie der Regisseur lobte. „Er weiß, wie man Sätze interessanter, farbiger und prononcierter formuliert.“

Zugleich hatte Reiner mit seinen beiden Oscargewinnern zwei äußerst gegensätzliche Typen ausgewählt, was allein schon einige Dramatik in den Film bringt: „Jack kann auf der Leinwand durchaus auch mal explodieren, und Morgan ist der Zen-Meister, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.“

Bei aller Komik in den Situationen ist der Film doch auch eine Betrachtung über das Leben und löste bei denen Hauptakteuren geradezu philosophische Gedanken aus, zum Beispiel in Freeman: „Ich glaube nicht, dass wir unbedingt anders handeln würden, wenn wir eine zweite Chance bekämen, denn die meisten Entscheidungen treffen wir aufgrund der aktuellen Bedürfnisse und nicht im Hinblick auf das, was später einmal passieren könnte.“ Oder, wie Nicholson sinniert: „Man bedauert nicht so sehr das, was man getan hat, sondern vor allem das, was man versäumt hat.“

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