''Dialog mit meinem Gärtner'' : Buddler und Kleckser

Hier ist der Name Programm: Beim „Dialog mit meinem Gärtner“ kommt nur wenig Spannung auf.

Daniela Sannwald

Schöne, farbenfrohe Bilder eines Gemüsegartens auf dem Lande in sommerlicher Pracht, das ist mehr oder weniger alles, was visuell hängen bleibt von diesem Film. Und irritierenderweise hätte es nicht einmal dieser Eindrücke bedurft. Denn eigentlich würde „Dialog mit meinem Gärtner“ genauso gut als Hörspiel funktionieren. Der Titel des Films ist schon das ganze Programm: 100 Minuten lang unterhalten sich zwei Mittfünfziger, die in der Grundschule einmal Freunde waren und sich nach Jahrzehnten durch einen Zufall wiederbegegnet sind. Über Gott und die Gewerkschaften, über die Liebe und die Arbeit, das Stadt- und das Landleben, über Frauen und Kinder, Fahr- und Werkzeuge.

Die mäßige Spannung, die dabei entsteht, speist sich – wenig überraschend – aus den sozialen Gegensätzen zwischen beiden Männern: Der eine ist Künstler, von Daniel Auteuil mit beinahe schon Depardieu-hafter körperlicher Präsenz gespielt, der andere Gärtner und pensionierter Eisenbahner mit hohem ethischem Anspruch in beiden Professionen; bescheiden, freundlich und dabei ein ganz klein wenig penetrant verkörpert ihn Jean-Pierre Darroussin. Sie nennen einander verlegen-kumpelhaft „Dujardin“ und „Dupinceau“, sinngemäß etwa „Buddler“ und „Kleckser“, lernen aber, das Metier des jeweils anderen zu respektieren und sogar zu schätzen. Die wenigen Szenen, in denen sich einer dem Werk seines Gegenübers widmet und durch genaues Hinschauen zum besseren Verständnis von Arbeit und Person gelangt, sind die schönsten und eindringlichsten dieses ansonsten etwas langatmigen Films.

Schade auch, dass die Protagonisten sämtliche Stereotypen von Bohème und Kleinbürgertum à la Française repräsentieren müssen. Sie geraten dadurch, trotz ihrer versierten Darsteller, zu Pappkameraden: Da erfährt man, dass die Frau des Malers die Scheidung eingereicht hat, weil er mit seinen Modellen schlief, dass er eifersüchtig ist auf den sehr viel jüngeren Geliebten einer seiner Freundinnen, dass auf Pariser Vernissagen genauso viel sinnfreier und pseudo-sachverständiger Smalltalk abgesondert wird wie wahrscheinlich überall auf der Welt zu solchen Anlässen. Und man sieht den Gärtner und seine Frau in der Nebensaison die Strandpromenade von Nizza entlangspazieren, wo sie seit Jahrzehnten Urlaub machen. Dass die beiden zu Hause so etwas wie röhrende Hirsche über dem Sofa hängen haben, versteht sich angesichts so vieler Klischees wohl von selbst. Daniela Sannwald

In acht Kinos; OmU im Cinema Paris und den Hackeschen Höfen

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