''Die 4. Revolution'' : Zur Sonne, zur Freiheit!

Film als Agitprop: "Die 4. Revolution" trommelt für die Solarenergie. Am spannendsten ist der Film bei der Präsentation von Projekten in den Teilen der Welt, wo noch zwei Milliarden Menschen ohne Stromanschluss leben, Afrika und Asien.

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Das Desaster von Kopenhagen. Obamas wiederaufgebackene Atomstrompläne. Das Herunterfahren der Solarförderung durch die schwarz-gelbe Koalition: Zur Zeit sieht es gar nicht gut aus für eine energiepolitische Wende. Und die Lobbyisten und ihre politischen Statthalter beteuern, dass der Wechsel zu einem „regenerativen Regime“ gewiss wünschenswert wäre, doch – leider, leider! – erst in ferner Zukunft machbar.

Sehr viel ungeduldiger sind da die Aktivisten von „Energy Autonomy“. Ihr Motto ist ganz im Sinne des NGO-Netzwerks Attac, das mit dem Slogan „Eine andere Welt ist möglich“ die kollektive Fantasie entzündet. „Energy Autonomy“ hält eine aus erneuerbaren Quellen gespeiste Welt-Energieversorgung für schon bald machbar, „Wir müssen nur damit anfangen!“. Statt mit den üblichen Katastrophenszenarien punkten sie mit positivem Elan.

So argumentiert auch der Film „Die 4. Revolution“, der fast ohne Förderung mithilfe engagierter Sponsoren entstanden ist und nun als Teil einer Kampagne der Energie-Aktivisten durchs Land zieht. durchs Land zieht. Im radikalen Anspruch seines Titels „Die 4. Revolution“ – die ersten drei Revolutionen waren die landwirtschaftliche, die industrielle und die digitale – erinnert das von Carl-A. Fechner realisierte Propagandastück an Elmar Altvaters Buch „Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen“ (2007). Beide verbinden mit dem energetischen Strategiewechsel auch eine Neuordnung der Gesellschaft auf solidarischer Ebene. Beide fordern auch, dass der globale Wandel von der fossilen zur solaren Gesellschaft dezentralisiert vonstatten geht.

Die Schauplätze des Films sind dabei durchaus genreüblich weit über den Globus gestreut: Das Nordic Folke Center in Dänemark, das 50 000 Menschen mit Windstrom versorgt. Eine neuseeländische Wissenschaftlerin, die intelligente Batterien entwickelt. Raffinierte Passivhäuser und E-Flugzeug-Pioniere. Die Protagonisten treten dabei gerne paarweise auf: Einer gibt im pseudo-sokratischen Gespräch den skeptischen Fragesteller, der andere erläutert die Sache erwartbar positiv. Den Schurkenpart übernimmt Fatih Birol solo – der Chefökonom der Internationalen Energieagentur desavouiert sich, abgesehen von einigen dummdreisten Äußerungen, schon durch seine vorherige Tätigkeit als langjähriger OpecExperte. Positiver Held ist der auch schon in Erwin Wagenhofers „Let’s Make Money“ prominente SPD-Abweichler Hermann Scheer, bei aller inhaltlichen Correctness nicht unbedingt ein mitreißender Redner.

Am spannendsten ist der Film bei der Präsentation von Projekten in den Teilen der Welt, wo noch zwei Milliarden Menschen ohne Stromanschluss leben, Afrika und Asien. Hier lassen sich mit Solartechnik ohne großen Aufwand die Lebensbedingungen erheblich verbessern, ohne dass dabei die sonst fatale Abhängigkeit von Energiekonzernen entsteht. So können die Hebammen in einer Geburtsstation in Mali dank eines Solarmoduls abends endlich ohne Taschenlampen tätig sein. Und in Bangladesch werden bereits junge Hausfrauen zu Solartechnikerinnen ausgebildet.

Filmästhetisch wird die frohe Botschaft hochgetunt mit flatternden Vogelschwärmen im Gegenlicht und pompösen Fanfaren. Das passt zum revolutionären Anspruch, auch wenn der Revolutionsbegriff hier eher produktionstechnisch als politisch gemeint ist. Überhaupt bleibt offen, wie der für die Reise vom fossilen ins solare Zeitalter notwendige Umbau gegen die mächtigen Gegner aus der Industrie und Politik durchgesetzt werden kann. Da geht etwa Altvaters Buch deutlich weiter, aber das versteht sich auch als politische Analyse. Hier im Kino geht es um reinen Agitprop.

Babylon Kreuzberg, Broadway, Cinemaxx, Kulturbrauerei

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