Die Farbe Schwarz : Unterwegs mit Gershwin: der Film „Porgy and me“

Seit Jahrzehnten schon tourt das New York Harlem Theatre mit „Porgy and Bess“ durch die Lande. Die Filmemacherin Susanna Boehm hat das Ensemble mit der Kamera auf den Reisen von Gastspielort zu Gastspielort begleitet, zeigt gesichtslose Hotels, entspanntes Herumgealbere während der endlosen Busfahrten, die Vorbereitung auf den abendlichen Auftritt.

von
320378_0_ac7f78ec.jpg
Für immer Summertime. Darsteller des New York Harlem Theatre. Foto: Piffl Mediendpa

Der Komponist selber hat es so gewollt: George Gershwins „Porgy and Bess“, uraufgeführt 1935 in Boston, erzählt vom Schicksal der Afroamerikaner in den USA – und darum soll die Oper auch ausschließlich mit farbigen Sängern besetzt werden. Für black singers von heute ist das Fluch und Segen zugleich. Einerseits haben sie das Exklusivrecht auf ein echtes Meisterwerk, andererseits steht so auch immer eine Schublade offen, in die sie leicht hineingesteckt werden können.

Seit Jahrzehnten schon tourt das New York Harlem Theatre mit „Porgy and Bess“ durch die Lande. Die Filmemacherin Susanna Boehm hat das Ensemble mit der Kamera auf den Reisen von Gastspielort zu Gastspielort begleitet, zeigt gesichtslose Hotels, entspanntes Herumgealbere während der endlosen Busfahrten, die Vorbereitung auf den abendlichen Auftritt. Dass sie mit einem der Hauptdarsteller verheiratet ist, war bei den sehr privaten Interviews zweifellos von Vorteil. Leben und Theater berühren sich für die meisten Darsteller, weil sie aus der eigenen Biografie die Themen kennen, um die es bei Gershwin geht: Rassendiskriminierung, Gewalt, Drogenkriminalität, die Undurchlässigkeit der sozialen Schichten. „Als Schwarzer musst du doppelt so gut sein, wenn du’s schaffen willst“, sagt eine Sopranistin.

Ein sensibler Dokumentarfilm, gebaut nach dem Muster des Philharmoniker-Features „Trip to Asia“. Alles soll für sich selbst sprechen: Interviews, Reiseszenen, die Ausschnitte aus den Aufführungen – doch die Sache geht nicht ganz auf, weil der Zuschauer zu wenig Hintergrundinformationen erhält. So bleibt „Porgy & me“ der Blick in eine faszinierende, aber fremde Welt. Frederik Hanssen

In Berlin im Delphi, Eiszeit und International (alle OmU)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben