Kino : Die Spur führt nach Indien

„Mein Tod ist nicht dein Tod“ von Lars Barthel

Silvia Hallensleben

Auch wenn der Internationalismus in der DDR großgeschrieben wurde, waren Begegnungen mit Menschen aus fernen Kontinenten rar. Umso größer der Reiz, den die wenigen Vertreter der bunten weiten Welt in dem Land erregten, das den Kameramann Lars Barthel nach eigener Aussage zum Spezialisten für Grauabstufungen machte. Als Mitte der 70er die Tochter eines indischen Genossen ihr Studium an der Babelsberger Filmhochschule begann, verfiel der Kommilitone Barthel ihrer „rätselhaften Anmut“ auf der Stelle. Bald heiraten die beiden, wenig später wird eine gemeinsame Tochter geboren. Sie reisen aus, erst nach Indien, dann nach West-Berlin. Doch draußen in der freien Welt wurde aus Barthels „indischem Traum“ bald ein alltäglich tristes Beziehungsdrama, Chetna driftet aus dem Familienleben in psychotische Parallelwelten und die West-Berliner Subkultur. Noch einmal rauft man sich zusammen, doch dann stirbt Chetna bei einem gemeinsamen Filmdreh in Indien. Ihre Geister schwirren noch durch Barthels Erinnerung und sollen nicht zur Ruhe kommen.

Jetzt, dreißig Jahre später, will der im vereinigten Deutschland zu Ansehen gekommene Kameramann Lars Barthel endlich das Loslassen wagen und tut dies standesgemäß mit einem Regieprojekt, das ihn auf seiner Abschiedsreise an ihr Grab begleitet. „Mein Tod ist nicht dein Tod“ ist vorgeblich ein filmischer Dialog mit der verstorbenen Geliebten, der allerdings über das Monologisieren kaum hinauskommt. Barthels Film-Chetna ist von vorn bis hinten Projektion: die Kindfrauenstimme (Kathrin Angerer), die ihr in den Mund gelegten Sätze, die Posen auf den kunstvollen Fotos.

Barthel versteht sein Handwerk meisterlich und findet Bilder, die manchmal traumhaft schön sind, oft aber die Kitschgrenze schrappen. Von Loslassen aber keine Spur, im Gegenteil: Der Film ist ein Dokument männlich-künstlerischer Inbesitznahme von Frauenleben. Nur ein paarmal blitzt etwas anderes auf: Da sehen wir kurze Ausschnitte von Chetna Voras eigenen Filmen von der HFF. Auf der Website zu Barthels Film wird ihr Nachname übrigens kein einziges Mal genannt. Silvia Hallensleben

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