Doku über Band in Kinshasa : Meister der Improvisation

In der Band Staff Benda Bilili spielen polioversehrte und nichtbehinderte Musiker aus Kinshasa. Zwei französische Filmemacher unterstützen sie dabei, ein Album aufzunehmen und filmen sie.

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Funky. Mitglieder der Band. Foto: Kool
Funky. Mitglieder der Band. Foto: Kool

Die Kinder bereiten ihr Nachtlager vor. Sie schleppen aufgefaltete Pappkartons herbei und legen sie auf der Straße aus. Ein paar Meter entfernt sitzten zwei ältere Männer auf riesigen Dreirädern und spielen Gitarre. Einer singt darüber, wie er einst auf Kartons schlief und durch Glück zu einer Matratze kam. „Das kann dir auch passieren“, lautet die zentrale Zeile des Songs.

Leon Likabu, genannt Ricky, weiß, wovon er singt. Seine Beine sind von einer Polio-Erkrankung verkrüppelt, er hat immer wieder auf der Straße gelebt, aber er hat nie aufgegeben. In ihm steckt eine unglaubliche Energie und ein großes musikalisches Talent. Beides verwendet er seit 2004 für seine Band Staff Benda Bilili, in der noch drei weitere polioversehrte Männer sowie drei nicht behinderte Musiker spielen. Ihre Instrumente sind größtenteils selbst gebaut, genau wie ihre aus Fahrradteilen bestehenden Rollstühle, mit denen sie es in den chaotischen Straßen von Kinshasa nicht leicht haben. Doch Ricky und seine Männer sind Meister der Improvisation, weder Schlaglöcher noch Schicksalsschläge können sie davon abhalten ihre Musik zu machen.

Als sie die französischen Filmemacher Florent de la Tullaye und Renaud Barret kennen lernen, sind diese so begeistert von Staff Benda Bilili, dass sie beschließen, die Band dabei zu unterstützen, ein Album aufzunehmen. Sie stecken Geld in die Gruppe, begleiten sie mit der Kamera und vermitteln den Kontakt zu einem neuen Musiker: Roger Landou. Der 13- Jährige hat sich aus einer Dose und einem Draht eine Laute gebastelt. Darauf zupft er mitreißende Melodien, die sich perfekt in den energetischen Rumba-Blues- Sound der Band einfügen.

Dass die Regisseure direkt ins Geschehen eingreifen, widerspricht der üblichen, um Neutralität bemühten Beobachterposition eines Dokumentarfilms. Allerdings kann man ihnen das keine Sekunde übel nehmen angesichts der Widrigkeiten, mit denen die Bandmitglieder zu kämpfen haben. So werden einige kurz nach Start der Plattenaufnahmen obdachlos, weil ihr Behindertenheim abbrennt. Für mitteleuropäische Augen grenzt es an ein Wunder, dass es ihnen dennoch gelingt, ihr Album fertigzustellen und sogar auf Tournee zu gehen. Ihre Zähigkeit, ihre Kreativität und ihr Witz machen „Benda Bilili!“ zu einem fesselnden, zutiefst anrührenden Werk, das nebenbei einen erhellenden Blick in die Welt der Slums von Kinshasa wirft. Barret und de la Tullaye zeigen, wie sich hier die Schwachen – Behinderte und Straßenkinder – solidarisieren und ihren eigenen Mikrokosmos geschaffen haben. Und dabei noch wunderschöne Melodien finden. Nadine Lange

Filmtheater am Friedrichshain, Kant Kino, (OmU): fsk, Hackesche Höfe Kino

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