Dokumentation : "Bödälä": Tanzstunde

Die zauberhafte Schweizer Dokumentation „Bödälä“ ist ein skurriles, aber nie spöttisches Spektakel über Menschen, die nicht stillhalten wollen und ungewöhnliche Gangarten erproben.

Jakob Wais
Szene aus "BÖDÄLÄ - DANCE THE RHYTHM".
Szene aus "BÖDÄLÄ - DANCE THE RHYTHM".Foto: Real Fiction

Seit frühester Kindheit sollen wir die Füße stillhalten. Zeitgenossen, die wippen, klopfen, trommeln, empfindet man meist als störend. Regisseurin Gitta Gsell widmet ihre Dokumentation „Bödälä – Dance the Rhythm“ genau diesen Störmanövern – wie sie etwa von Schweizer Fußvirtuosen ausgeführt werden.

Zum traditionellen „Bödelen“ der Innerschweiz gesellt sich irischer Volkstanz, amerikanischer Stepdance oder Flamenco: Von der ersten Minute an entfaltet der Film einen mitreißenden Rhythmus. Tanzen kann man überall: Der Bauer steppt auf dem Trecker, und beim sogenannten Gäuerlen nähert sich der Mann wie ein Gockel der Partnerin und beginnt mit der Balz. Das war lange ein reines Männervergnügen, doch die Zeiten ändern sich – selbst in der Schweiz.

Noch heute gehen die Burschen allerdings mit Kuhglocken beladen dem alten Brauch des Geisteraustreibens nach: Auch hier wird getanzt, und vor allem wird es laut. Einen scharfen Schnitt später stimmt die Ausdruckstänzerin Ania Losinger nachdenklicheres Getrappel an. Ihr Instrument ist der Boden, auf dem sie sich mit höchster Körperbeherrschung bewegt. Wenn es laut und schnell wird, geht die Kamera nah heran und folgt den tanzenden Füßen; in ruhigen Momenten gibt sie den Protagonisten kunstvoll Raum.

Ab 25. November neu im Kino
"EIN GUTES HERZ" (Tragikomödie, Dänemark/Island 2009, Regie: Dagur Kári, Darsteller: Brian Cox, Paul Dano): Der junge Obdachlose Lucas will seinem jungen Verliererleben ein Ende zu setzen. Zur gleichen Zeit erleidet der versoffene, menschenfeindliche Barkeeper Jacques ein paar Straßen weiter seinen fünften Herzinfarkt. Der Notdienst befördert sowohl Lucas als auch Jacques ins Krankenhaus. Es ist für beide die letzte Begegnung mit der Zivilisation. TAGESSPIEGEL-Autorin meint: "Vielleicht fehlt etwas in diesem wunderbar sparsamem, grau in grau leuchtenden Film. Vielleicht wird er eine Spur zu leicht und zu sehr zur Weihnachtsgeschichte. Aber allein für die Art und Weise, wie die Welt der Machbarkeiten und des positiven Denkens hineinscheinen ins Nichtmachbare, lohnt es, den Film zu sehen."Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Alamode
24.11.2010 18:57"EIN GUTES HERZ" (Tragikomödie, Dänemark/Island 2009, Regie: Dagur Kári, Darsteller: Brian Cox, Paul Dano): Der junge Obdachlose...

„Bödäla – Dance the Rhythm“ ist ein skurriles, aber nie spöttisches Spektakel über Menschen, die nicht stillhalten wollen und ungewöhnliche Gangarten erproben. Dabei helfen die starken, schrägen Szenen über gewisse Längen hinweg: So manches Bild des 78-Minuten-Films nutzt sich ab. Aber wenn sich die Alten an jene Zeit erinnern, als der irische Volkstanz noch ein Sonntagsvergnügen und kein Kampfsport war, wenn die Bauern erzählen, wie sie beim Gäuerlen vor lauter Rage einst das Wirtshaus demolierten, dann lässt sich darin auch eine leise Kritik an der schnelllebigen, leistungsorientierten Moderne ausmachen. Jakob Wais

OmU: Hackesche Höfe, Kant-Kino

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