Drama : Die Beladenen

In Markus Herlings Ensemblefilm "Schöner Leben" herrscht vor Weihnachten pure Verzweiflung.

Christina Tilmann
Schöner Leben
Szene aus "Schöner Leben": -Foto: Farbfilm

Weihnachten, Fest der Liebe, des Friedens, der Familie. Und ein Horror für den, der keine Familie oder keinen Frieden hat. Allerlei deutsche Filme beschäftigen sich derzeit mit familiären Katastrophen zu Weihnachten: Vanessa Jopp lässt in „Meine schöne Bescherung“ (Kinostart nächste Woche) das Weihnachtsfest einer Patchworkfamilie in einer explosiven Komödie eskalieren. Ann-Kristin Reyels legt das Thema mit „Jagdhunde“ kühler an, und bei Marc Meyer (siehe nebenstehende Kritik) klaut sich ein Psychopath die Wunschfamilie zum Fest zusammen.

In Markus Herlings Ensemblefilm „Schöner Leben“ herrscht pure Verzweiflung. „Vier Grad und Regen“ verheißt der Moderator am Morgen des 24. Dezember. Keine guten Aussichten, wenn noch nicht einmal die fünf Euro für die Schulweihnachtsfeier da sind, die Elke (Susann Ugé) ihrem Sohn Dennis versprochen hat. Auch Werner Schnücke (Hans Klima), aus der Provinz angereist, um seinen Sohn Sebastian zu besuchen, kann die Übernachtung in der schäbigen „Pension Stuttgart“ nicht bezahlen. Sebastian wiederum jobbt als Weihnachtsmann, um seinen Unterhalt zu finanzieren. Und dann ist da noch U-Bahn-Fahrer Otto (Klaus Gehrke), dem vor Jahren die eigene Frau vor den Zug gesprungen ist. Und Möchtegern-Schauspieler Alwin (Max Herbrechter), der nur noch als Komapatient gecastet wird. Und Joseph (Pasquale Aleardi), der über die Trennung von seiner Freundin nicht hinweg ist.

Einsam. Abgebrannt. Verzweifelt. Nicht nur, dass man das Leben gegen die Wand fährt – dann blicken einen auch noch traurige Kinderaugen an, oder man muss dem eigenen Sohn die Pleite eingestehen. Und dabei könnte schon ein Hunderter vieles zum Guten wenden. Ein Schein, der mehrfach den Besitzer wechselt, und am Ende sein Ziel erreicht.

Immerhin: Markus Herlings herzergreifender Ensemblefilm stellt seinen Verzweifelten und Beladenen sehr diesseitige Engel an die Seite. Dem Witwer Otto eine fröhliche Reinigungsmittelvertreterin; dem verzweifelten Liebhaber Joseph seine Ex-Freundin Maria (Isabella Parkinson), die so sehr Ex dann doch nicht ist. Dem abgebrannten Werner einen Alki, der einen Umschlag mit Geld mit sich herumträgt. Und Elke und ihren Kindern einen Phantomweihnachtsmann, der ihr den richtigen Rat gibt. Bald sieht alles ein bisschen besser aus: Zehn Grad und Sonne, würde der Wetterdienst sagen.Christina Tilmann

Babylon Mitte, Blow Up, Kant, Kulturbrauerei

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